| Sehr geehrtes Christkind, liebes Jesukindlein! Mein Name ist Björn
Wurzbauer und ich werde sieben Jahre alt.
Ich bin nicht sicher, ob es dich wirklich gibt. Falls ja, schreibe ich dir jetzt diesen
Wunschzettel. Falls nein, ist es sowieso wurscht und du brauchst ihn gar nicht lesen.
Jetzt ist zwar erst der 2. September, aber ich habe mir gedacht, ich schreibe schon
jetzt, dann kannst du die Sachen in Ruhe einkaufen und brauchst nicht so hudeln wie meine
Mutter, wenn Besuch kommt. Außerdem kriegst du jetzt alles noch viel billiger, weil es im
Angebot ist. Aber ich glaube, dass du die Sachen eh nicht bezahlen musst, weil du ja das
Christkind bist. Oder stiehlst du sie vielleicht in einem großen Geschäft, wo es nicht
auffällt, wenn etwas fehlt? Wahrscheinlich nicht, weil sonst würde dich dein Vater, der
wo der Chef im Himmel ist, nicht mehr hineinlassen.
Im Prinzip ist es mir wurscht, wo du die Sachen hernimmst. Hauptsache, ich kriege sie!
Oma hat gesagt, die meisten Geschenke kriegt der, der wo das ganze Jahr schön der Mama
folgt und immer das tut, was die Mama will. Ich habe gesagt: das ist der Papa. Da hat die
Oma gelacht und gesagt, das gilt natürlich nur für Kinder und nicht für große Leute.
Da war ich sehr froh. Ich mag zwar meinen Papa gern, aber dass er die meisten Geschenke
kriegt, vergönne ich ihm nicht. Außerdem raucht er, wenn die Mama nicht daheim ist und
als Belohnung, weil ich ihn nicht verrate, darf ich mir im Fernsehen einen greislichen
Monsterfilm anschauen.
Von uns Kindern bin ich bestimmt der bravere, weil meine Schwester, die wo erst fünf
Jahre alt ist, ist ein wahrer Deifl. Sie hat mir zum Beispiel im Sommer einen ganzen
Schübel Haare ausgerissen - wegen nichts und wieder nichts. Nur weil ich ihrem blöden
Goldhamster ein Bier gegeben habe, wie sich nicht da war. Dann habe ich ihn in sein
Laufrad gesetzt und zugeschaut, wie er läuft und es war recht lustig. Nach einer Weile
habe ich ihn darin total vergessen, weil mein Freund Kevin gekommen ist und wir Fußball
gespielt haben. Als nach einer Stunde meine Schwester heimkam, hatte sich das dumme Vieh
schon derrennt... Sie hat geschrieen wie noch was und gesagt, dass ich ein Mörder bin,
derweil war es ja praktisch Selbstmord. Er hätte nur das Rennen aufhören brauchen, aber
er tat es nicht. Selber schuld. Und ein Schoppen Bier kann doch einem Hamster nichts
ausmachen. Außerdem habe ich ihn eh nicht leiden können, weil er hat immer recht
gemuffelt. Meine Mama hat mich geschimpft und gesagt, ich bin und bleibe ein totaler
Grobian.
Dann haben sie den Hamster im Garten neben dem Kompost beerdigt. Als Sarg haben sie
eine Bigmäc- Schachtel hergenommen - aber ohne Bicmäc. Ich musste zur Strafe einen
Zettel schreiben. Den haben sie auf einem Holzstecken aufgespießt und neben das Grab
hingesteckt. Darauf musste ich schreiben:
Hier ruht mein Hamster Fridolin,
erst lebte er, jetzt ist er hin.
Schuld an dem Verdruss
ist mein Bruder, die dumme Nuss.
Da kannst du sehen, liebes Christkind, wie geschert meine Schwester ist. Zum Schluss
hat sie noch ganz scheinheilig gesagt: "Herr, gib Fridolin die ewige Ruhe." Aber
ich habe genau gemerkt, dass sie mich meint, weil sie mich so angeschaut hat.
Ich beantrage hiermit, dass du ihr heuer nichts bringst, höchstens eine leere
Schachtel, wo ein Zettel drin liegt und darauf soll stehen: "Wer seinem Bruder wegen
nichts und wieder nichts einen Schübel Haare ausreißt, kriegt vom Christkind einen
Dreck!" Dann hat sie es. Ich wünsche mir dafür heuer etwas mehr, damit es sich
wieder ausgleicht. Ich bräuchte unbedingt ein Fahrrad mit 21 Gängen, weil ich bin in der
Klasse der einzige, der wo nur 3 Gänge hat. Mein altes Rad mit den 3 Gängen kannst du
dafür mitnehmen und einem armen Negerkind in Afrika bringen. Für ein solches sind 3
Gänge schon ein totaler Wahnsinn. Dann bring mir bitte noch einen Extra-Fernseh für mein
Zimmer, damit ich nicht immer den Käse anschauen muss, den meine Mutter und mein Vater
sehen wollen. Die schauen die ganze Zeit Tok-Schous und so Zeug an.
Weißt du, Tok-Schous sind Sendungen, wo lauter Narrische dortsitzen und über was
reden, was keinen interessiert. Außerdem brauche ich noch einen Dress vom FC Bayern
München und vorsichtshalber vom FC Kaiserslautern, falls diese Hundlinge wieder deutscher
Meister werden. Sonst fällt mir momentan nichts ein. Du könntest mir aber noch ungefähr
1000 Mark in bar bringen, falls mir später noch etwas einfällt. Dann kaufe ich es mir
selber und du hast nicht soviel Arbeit mit mir. Bitte vergiss nichts, weil sonst bin ich
enttäuscht. Und in der Zeitschrift, die wo meine Mutter immer liest, steht drin, wenn ein
Kind oft enttäuscht wird, wird es psychisch gestört und später eventuell richtig
narrisch.
Das willst du doch bestimmt nicht, oder?
Hochachtungsvoll Dein Björn |