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Ein kalter, feuchter
Tag zog herauf, es war der 24. Dezember 1966.
Der Heilige Abend war in greifbare Nähe gerückt.
Die Geschenke lagen
verpackt und mit schönen Schleifen und Bändern versehen noch
am geheimen Ort.
Der Duft vom Gänsebraten
durchzog das ganze Haus; aber dieser Tag bedeutet für mich
nicht nur schenken und beschenkt werden. Gerade heute muss
ich an die vielen einsamen und armen Menschen denken.
Am Abend stelle
ich eine große Kerze auf die Fensterbank. "Warum tust
du das?" hatte vor vielen Jahren meine kleine Tochter
gefragt, und ich hatte geantwortet: "Vielleicht sucht
ein armer Mensch nach einem Licht in der Heiligen Nacht.
Gegen zehn Uhr
klingelte es an der Haustür, ich öffnete, vor mir stand ein
junger Mann, seine Schultern hatte er hochgezogen, als friere
er.
Er löste eine Hand
von der verdrehten Mütze und fuhr sich damit über die Stirn.
"Entschuldigen Sie bitte, aber das Licht in Ihrem Fenster."
Er stockte und
ich sah die Gefangenenträne auf seiner linken Wange. Ein entlassener
Häftling stand vor mir. Er räusperte sich, wollte weitersprechen,
ich sah ihn freundlich an, weil ich merkte, dass es ihm schwer
fiel, was er sagen wollte.
"Kommen Sie
herein, und dann sagen Sie mir, was Sie für einen Wunsch haben,"
forderte ich ihn auf.
"Oh - ich
möchte Ihnen keine Ungelegenheiten machen,
aber die Kerze im Fenster hat mir Mut gegeben.
Ich bin sehr hungrig".
Diese Not traf
mich wie ein Schlag. "Kommen Sie mit" forderte ich
ihn auf und erfasste seine Hand. "Ich werde Ihnen Kaffee
kochen, und essen sollen Sie, soviel Sie mögen, inzwischen
können Sie sich im Badezimmer frisch machen".
"Aber ich
mache Ihnen nur Arbeit, kam es zaghaft von seinen Lippen.
"Ach was" antwortete ich, "denken Sie, die
Kerze steht umsonst im Fenster?"
Als er wiederkam,
hielt ich ihm den Brotkorb hin, er sog den Duft ein und sagte
nur: "Wunderbar".
"Aus welchem
Gefängnis kommen Sie", fragte ich. Er starrte mich an
und stotterte: "Woher wissen Sie das?".
Ich sagte, "bitte
beruhigen Sie sich, ich betreue schon seit 20 Jahren Strafgefangene,
während der Haft und danach.
Ich weiß, dass
die Strafe nicht aufhört, wenn sich die Tore der Anstalten
geöffnet haben und die sogenannte Freiheit endlich da ist.
Die Familien wollen mit dem Hilflosen nichts mehr zu tun haben
und die Gesellschaft ist gnadenlos, überall erlebt man Ablehnung".
"Ich bin wegen... " "Halt - halt", stoppte
ich ihn und sagte: "heute ist der Tag im Jahr, an dem
die Menschen zusammen kommen, um die Freude miteinander zu
teilen. Nach den Feiertagen können Sie mir dann alles erzählen."
Plötzlich legte
er die Hände auf den Tisch, sah zur Zimmerdecke und sagte:
"Mein Gott, du hast mich nicht verlassen."
Große Tränen liefen
über seine Wangen und zitternd kamen die Worte: "Danke,
danke, für das Licht im Fenster".
Ein Jahr später
am Heiligen Abend hatte ich diesen jungen Mann eingeladen,
der damals mutlos, gedemütigt und arm an Leib und Seele, vor
meiner Tür um eine Scheibe Brot gebeten hatte.
Er hatte mich nicht
enttäuscht, der Mann aus dem grauen Heer der Heimatlosen und
Verzweifelten.
Wie wenig braucht
man doch, um einem Menschen zu helfen, manchmal nur ein Licht
im Fenster!
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