Ein Schwabe


Ein Schwabe ist ja an für sich wohl auch ein Mensch wie du und ich,
begabt mit allen guten Seiten im Rahmen seiner Möglichkeiten.
Nur eins, woran sein Image krankt: Er ist ein Schwabe ` und das langt!

Der Schwabe schreitet schnell fürbaß, er bringt nix mit und bringt's zu was.
Das ist die feine Schwabenart: er ist nicht geizig, nein, er spart;
lebt nicht vom Brot, allein vom Knäusle, und baut dafür sein eignes Häusle.

Was er besitzt, gibt er nur schwer und nicht mal ums Verrecken her.
Der Schwabenfleiß ist zum Erbarmen, er trifft den Reichen wie den Armen.
Die Regel gilt als generelle: arm sind die Schwaben wirklich älle!

Der Schwabe schafft zwar nimmermüde, doch selten ist er auch liquide.
Sein Konto isch halt grad so ebe, ond's Übrige muesch zsammehebe.
Ihn kann auch gar nichts überraschen; sogar sein letztes Hemd hat noch Taschen.:

„Do kasch mer sage, was die wit, mein Schparbüchle, des nemm i mit.
I behalt mei Geld, au noch em Schterbe, vo mir soll koiner ebbes erbe!
Drom hann i gschafft von früh bis spat, dass mirs do drobe besser goat.

I gang net nauf, als armer Denger, mit Bargeld lebscht im Himmer lenger,
No kommscht do nauf, aus dere Welt, ond kriegsch net mol Brgrüßungsgeld.
Koi Supp, koi Vesper, gar nix drenn, ja haidenai, wer semmer denn?

Was solls, i frai mi trotzdem drauf, i nemm mei Thermosflasch mit nauf.
Ein Schwabe, auch im Jenseits fit, der bringt sein Vesper selber mit.
Fragscht nach mei Nektar aus der Büchs, ha, ohne Trinkgeld lauft do nix.

Fragscht d Engel nach mei Wolkehügel, no hoißts: O blos mi doch de Flügel.
Muescht aufs WC, schtoht an der Tür: Zwei Rosekränz + Grundgebühr.
Beim Engel-Flugschein hoißts au: zahl, sonst bleibsch beim Bodepersonal.

Ja ` in dem Hergotts-Pflegeheim bischt ohne Geld ein armes Schwein.
Wer woiß denn, hergottsapperlott, obs himmelwärts koin Eintritt koscht?
Do stoht der Petrus, und der kichert: Bisch du auch pflegefallversichert?

Gesetzt den Fall: kommscht frisch vom Grabe, und unser Herrgott wäre ein Schwabe,
dann isch des todsicherlich: umsonst macht der koin Fedrestrich.
Drum hoff ich, dass i's richtig mach: Liebs Herrgöttle ` i zahl mei Sach,
sonst biete ich als Wert von Dauer ein Stück aus der Berliner Mauer.

Gell, Herrgöttle, du losch mi nei, es soll auch net dei Nachteil sei;
ich lobe dich im Kircheblatt, no gibsch mer drei Prozent Rabatt. `
Des wäre mein Finanzierungsrahmen, sonscht ` in Drei Teufels Namen ` Amen!