Der Badetag

eingesandt von Brigitte Brünken

Was war der Samstag früher schön;
man konnte inne Wanne geh'n.
Am Nachmittag schleppt der Papa schon
die Zinkwanne herein, vom Küchenbalkon.

Der Herd wird gestocht mit Holz und Brikett;
das Wasser geholt vom Etagenklosett.
Den Einkochkessel, die Salatschüssel voll;
der Papa schleppt, das Wasser wie toll.

Dann wurde der Tisch aufe Seite gerückt;
den Teppich zur Seite, das gute Stück.
Nun wurde die Wanne aufgestellt
und ziemlich hoch mit Wasser gefüllt.

Die Blagen kamen in die Wanne;
schnell noch vom Ofen.'ne weitere Kanne.
Jeder drängt sich vor, das ist schon gewiss
Und mancher hat heimlich inne Wanne gepisst.

Die Mama seift ein, datt geht im Galopp;
zum Schluss noch' nen Schepper Wasser übern Kopp.
Heraus ausse Wanne, den Schlafanzug an;
aufe Bank gesetzt. jetzt sind die Eltern dran.

Zuerst wurd ein Betttuch vor de Wanne gespannt,
von wegen des Schamgefühls, das ist doch bekannt
Dann die Mama inne Wanne, danach der .Papa.
Sie rubbelt seinen Rücken, das ist doch gar klar.

Und dann endlich kam die Oma dran,
doch doe hat bekanntlich den Reinlichkeitswahn.

Sie nimmt den Schaumlöffel von der Wand
und.scheppt zuerst mal vom Wasser den Schmand.

Heiß Wasser dabei, nicht zu kalt nicht zu warm;
das prüft die Oma ganz sacht mit ihr Arm.
Dann rein in die Wanne; der Hintern wird feucht
und prompt der Oma ein Pfürzchen entfleucht.

Zuletzt kam dann der Opa dran;
Er war immer noch ein stattlicher Mann.
Die Oma seift ein, tut ihn ein bisschen krabbeln,
der Opa lacht und sein Bäuchlein tät wabbeln.

Dann raus aus die Wanne, die Bux angezogen,
ins Wasser komm'n jetzt Socken. vonne Blagen 'n paar Hosen.
Die wurden gerubbelt uns ausgewrungen,
Die vom Papa. vom Opa und die vonne Jungen.

Dann wurde das Wasser ausse Wanne geschleppt,
die Küche mit geputzt und ein Stück vonne Trepp.
So wurd Wasser gespart und alle fühlten sich frisch;
nun kam der warme Stuten auf den Tisch.

Mit Rübenkraut drauf, Kakao wurd geschleckt;
zum Schluß dann die Finger abgeleckt.
Auch ohne Zähne hat es der Oma.geschmeck,
denn Ihr Gebiss das hattse inne Schürze versteckt,

Und jeder denkt sich hinterher;
wenn doch nur schon wieder Samstag wär.
Waren die Blagen dann endlich im Bett,

dann wurde der Abend erst richtig nett.

Der Papa.holt Bier aussem Kellerflührchen,
nen Korn für den Opa; für Frauleut Likörchen,
die Oma.tat stopfen, oder auch stricken,
die Mama den Blagen die Klamotten flicken!

Der Papa tät ausse Zeitung vorlesen.
Was kommt, was ist, was war gewesen.
Und der Opa sitzt Im Schaukelstuhl,
datt Piepken im Mund und fühlt sich wohl.

Doch so frisch gebadet komm'n auch die Gefühle.
Der Papa tat die Mama am Nacken rumwühle.
Dann zogen die zwei ab, inne Kist;
Und datt es schön war, is gewiß.

Die Mama flüstert: "Mach nich so'n Krach,
sonst werden am End noch die Blagen wach.
Nun sieht man auch die Oma begehrlich gucken;
doch der Opa tut nur an sein Piepken rumnuckeln

und denkt sich im Stillen: Lass sein, is gut,
lass mir mei Ruh, du machst mich kaputt.
Er hat dann noch ne Bierflasche im Eimer ausgespült.
nochen Brikett aufe Glut;die Asche duchwühlt

Dann stellt er die Flasche aufe Ofenbank,
er braucht sie am.Morgen.für den Doktor, sein Blase ist kank
Die Oma keift und datt ohne Gebiß.
Du weißt, da ist Pfand drauf, die muß wieder inne Kist.

Die Zahne ins Glas, der Opa geht ab.
Die Oma wird auch mit einmal so richtig schlapp.
Kriecht unter ihr PIümo, macht datt Licht dann aus.
Ruhe und Frieden liegt jetzt überm Haus.
Und jeder träumt so vor sich her
wenn doch bloß schon wieder Samstag wär.