Im Zug

eingesandt von Willi Eul

In der Bahnhofshalle ist starkes Gedränge.

Und im D-Zug sitzt man in ziemlicher Enge.

Im Abteil für Raucher steigt mit Geschick

Ein Herr, noch im letzten Augenblick.

Man grüßt ihn nicht gerade mit freundlichen Blicken,

macht auch keine Miene zusammenzurücken.

Er sagt, sie gestatten, ich bin so frei

da auf der Bank, da sitzen ja erst drei.

Dann zieht er den Rock aus und bringt ihn munter,

mit Hut und Stock im Gepäcknetz unter.

Er setzt sich. Doch hält er nicht lange Ruh,

zieht aus seine Weste und legt sie dazu.

Weil nun in dem Abteil keine Damen waren,

die Herren das weiter nicht übelnahmen.

Doch plötzlich zieht er, als wär er zuhaus,

in aller Gemütsruh seine Stiefel aus.

Wie er nun sitzt in wollenen Strümpfen

Die Nachbarn verdächtig die Nase rümpfen.

Er merkt, dass den anderen das nicht behagt,

und wie zur Entschuldigung lächelnd er sagt:

In Deutschland scheint so etwas freilich verpönt,

aber ich, als junger Schweizer, bin Freiheit gewöhnt.

Ein Kölner sass dabei, dem der Fall nicht passte,

der aber sogleich die Situation erfasste:

Ene jonge Schweizer, säht her, un trick d Stiern en Falde,

ich hätt üch für ene aalen Limburger gehalde.