Abschiedsbrief an Papa

Jessi

Lieber Papa!

Am 25.08.2010 um 00:30 Uhr hat sich mein Leben schlagartig und für immer verändert. Es vergeht kein einziger Tag, an dem ich nicht an Dich denke. Du warst und bist zu einem Großteil mein Leben, meine Liebe zu Dir ist bedingungslos.

Du bist von mir gegangen, ohne dass wir unseren unwichtigen Streit beilegen konnten. Niemals werde ich aufhören, mich zu fragen warum dies geschehen musste. Solange ich denken kann, warst Du der wichtigste Mensch für mich , auch zu Zeiten, wo wir nichts voneinander hörten. Ich wusste immer, Du bist da.

Morgen würdest Du Deinen 55. Geburtstag feiern, vielleicht feierst Du ihn sogar zusammen mit Deinem Papa –meinem Opa- ! Habt Ihr Euch eine besonders schöne Wolke ausgesucht? Ich gratuliere Dir von Herzen, mit unendlicher Liebe und wünsche Dir, dass Du Deinen Platz gefunden hast.

Guckst Du manchmal zu uns herunter? Um mich musst Du Dir keine Sorgen machen, ich schaffe das, irgendwann. Bis dahin lebe ich weiter in der Hoffnung, dass es eines Tages, vielleicht nicht besser, aber anders wird. Irgendwann kann ich unseren Nachnamen sicherlich wieder buchstabieren, Udo Jürgens wieder hören und ohne Tränen an die wundervolle Zeit mit Dir denken.

Und nun für Dich, unser Lied (vielleicht sogar besser ohne Ton, Du kennst ja mein Gesangstalent):

Am Fenster heute Morgen,
da piepst es ohne Sorgen,
die Spatzen und die Meisen,
was soll denn das heißen,
die Spatzen und die Meisen,
was soll denn das heißen.

Sie haben sich´s geflüstert,
drum weiß ich´s ganz genau,
der Papa hat Geburtstag,
darum der Radau,
der Papa hat Geburtstag,
darum der Radau.

Ich wünsche Dir einen schönen Geburtstag und bin in Gedanken für immer bei Dir. Ich bin seit Deiner Beisetzung nie wieder auf dem Friedhof gewesen, dies hat aber auch einen Grund. Du bist nicht zwischen all diesen Menschen, Du bist bei mir. Nicht an diesem anonymen Ort, nein, bei mir. In Gedanken spreche ich jeden einzelnen Tag mit Dir, kannst Du mich hören? Wenn ja, versuche mir zu zeigen, dass ich es ohne Dich schaffen kann.

In unendlicher Liebe Deine Tochter Jessi mit Nelly an der Hand und Dich im tiefsten Platz meines Herzens.

P.S.: Verzeih, dass ich schon heute schreibe, morgen traue ich mir das einfach nicht zu.

Papa 07.06.1956-25.08.2010