Zum Abschied eines Kollegen

Beate

Lieber Herr Müller,

zu Ihrem Abschied ein kleines Gedicht:

Sie müssen nun gehen und wir nicht.
Als Kind wurde uns eingebläut, dass man keine Träne weint.
Deshalb bemühen wir uns sehr, zu halten unser Tränenmeer.
Denn wir können es nicht fassen,
dass Sie uns heute schon verlassen.
Und Sie tun uns schrecklich leid, denn ab jetzt haben Sie Zeit
Und wenn Andere tun ganz wichtig, wissen Sie nun nicht so richtig,
wie man es vermeiden kann, zu sagen, ich fang gar nichts an.
Sie werden merken wie das stört, wenn man nicht mehr dazugehört.
zur Arbeitswelt noch voll im Saft mit seiner ganzen Arbeitskraft.

Früh in Pension so war ihr Plan, doch was fangen sie nun an?

Schon morgens noch schön zugedeckt, wenn sie kein Wecker mehr aufweckt,
wird´s Ihnen sein ums Herz ganz schwer, zur Arbeit dürfen sie nicht mehr.
Und nie mehr im Berufsverkehr, das wird wohl genauso schwer.
Kein Chip mehr, den man ziehen kann, kommt man hier im Hause an;
Auch kein fröhliches „ Hallo“ der Kollegen im Büro.
Und selbst die Akten, die manchmal quälen, werden Ihnen richtig fehlen.
Kein Feedback „ich bin zu was nütze“, wenn ich den Chef mal unterstütze
Keine Unterschriftsmappe mehr, da wird ihr Tag erst richtig leer.
Oder Essen nun nicht mehr parat, hat Ihnen hier viel Zeit gespart.
Nun heißt es selbst zum Bäcker laufen und sich zuerst mal Frühstück kaufen.
Und da der Mensch was Warmes braucht, um sich zu füllen seinen Bauch,
werden nun Sie in der Küche stehen, wenn wir in die Kantine gehen.
Auch nach dem Essen, was werden sie tun? Sich langweilen ein wenig ruhn,
während wir Sie werden`s bereuen uns auf den Feierabend freuen.
Und wenn`s dann Zeit wird für die Nacht, und wir ein Tagwerk grad vollbracht,
werden Sie zweifeln -das kennt man schon-, es kommt die große Depression.
Außerdem auch noch ne Wende, gibt es für sie kein Wochenende.
Auch nicht mehr - wie war das schön-, jedes Jahr in Urlaub gehen.
Doch nun genug, jetzt wird es Zeit, Sie sehn Sie tun uns richtig Leid,
deshalb sollten wir das lassen, wenn wir uns weiter so befassen,
werden doch noch Tränen fließen, die sich hier im Schwall ergießen.
Leider werden`s Ihre sein, wenn sie seh`n den Fehler ein.
Wir haben gewarnt, jedoch ganz vergebens, vorm Ende ihres Arbeitslebens.

Drum machen Sie das Beste draus, wenn die Schaffenszeit ist aus.
Und vielleicht mit viel Elan, fangen Sie was Neues an.
Wie sie wissen sagt man das immer, denn die Wahrheit ist viel schlimmer.
Auch der größte Optimist, weiß doch, dass das nicht so ist.

Doch weil ich sie gut leiden kann, häng ich an den Schluss noch dran,
die Rentner sind ganz einwandfrei, an ihnen kommt kein Staat vorbei.
Drum sein Sie einfach frohen Mutes,
denn die Pension hat auch was Gutes:
für die Ärzte allemal, wer füllt sonst ihren Wartesaal
denn jetzt kommen die Rückenschmerzen
manches Mal auch Druck am Herzen.
Zahnärzte müssten Däumchen dreh`n, lies sich dort kein Rentner sehn.
Gut auch für Apothekerkassen, in denen sie jetzt Bargeld lassen
Und auch Zeit für eine Kur, haben heut die Rentner nur.
Die Touristik hätt es schwer, gäb es kein Pensionärenheer.
Wer gäb im Reisebus am Ende dem Fahrer eine kleine Spende?
Auch Parkbänke würden verwaisen, säßen dort nicht uns`re Greise.
Manch Kaufhaus wär zur Hälfte leer, gäb es keinen Pensionär,
und manche Cafes müssten schließen, denn keiner käm mehr zum genießen.
Was wär wenn jeder nur noch spart? Wer ging dann noch zur Werbefahrt?
Wer würde schau`n den ganzen Mist, der morgens schon im Fernseh`n ist?
Der Pop im Radio ist für Sie jetzt vorbei, Ihr Sender ist nun SR3 .
Und wenn der keinen Spaß mehr macht, haben wir heut was mitgebracht
mit der Hoffnung dass dies sie so dann und wann, aus den Depressionen herausreisen kann.

Wir wünschen für die Zukunft Glück und denken Sie ruhig mal zurück:
am Frühstück hier war es sehr schön, nun sagen wir auf Wiederseh`n.