D' Sofie hat Geburtsdag

Renate Hagenlocher-Closius

A dragische Komödie, am Silveschtergnaller „Dinner f o r One“ nochempfunda

 

Persona:

D’ Sofie: a Bäure von dr Schwäbischa Alb, die ihr’n 80. Geburtsdag feiert
Dr. Schorsch: ihr Nochbr – dr einzige von älle ihre Verehrer, der no lebt.

A Schbrecher

Ort: D’ schee Stub von dr Sofie. D’ Eirichtung isch so, wie mr se in de Fuffziger uffam Land ghett hot. An eichener Disch on globige Stiahl drzua. A Büffet on a Arichte, uff derra dr Schorsch s’ Essa on s’ Gschirr nagrichtet hot. An dr Wand a röhrender Hirsch en Öl on an Haufa Schwarz-Weiß-Fotografia en Goldrahma. Uffem Bode liegt a Fell vonra Wildsau mit amma Kopf dra. Die hot dr Mo von dr Sofie amol gschossa und voller Stolz präpariera on uf dr Boda lege lasse. Von dr Stub fiehrt a Drepp en de erschte Stock. Mr sieht se uff dr rechte Seid von dr Biehne.
S’ isch grad Obend worda. Dr Schorsch hot sein beschta Sonndagsazug an. Dr Disch hot’r feschtlich deggt on Bluma on Kerza nuffgstellt. Er handiert no a bissle an de Sache rom. Währenddessa kommt dr Schbrecher rei on verzehlt.

Schbrecher:

D’ Sofie, a Bäure von dr Schwäbischa Alb, feiert heit ihrn achtzigschte Geburdsdag. Ihr Alder glaubt merra kaum, se sieht no oheimlich guad aus. Mr ko ahna, dass se amol an steiler Zah gwä isch. Ihr Mo lebt scho lang nemma. Au ihre andre Verehrer senn scho lang dod. Aber drei vonnene hot se, wie jedes Johr, drotzdem zu ihrm Geburtsdag eiglade. Ihrn Mo nadierlich au. Dr Schorsch, ihr Nochbr, musse älle ersetza. Wie emmer hot er au kocht fir de ganz Gsellschaft.

(Dr Schbrecher goht von oim Stuahl zom andere on verzehlt, wer druff sitzt, am erschte Platz links nebem Geburdsdagskend, des an dr linka Stirnseide vom Disch sitzt, fangter a)

Do sitzt dr Friedr, dr Sofie ihr Mo. Ehn hot se gheiradet, nochdem ihre andere Techdelmechdel älle innera Kataschtroph g’eendet hen. Er war a fleißiger Bauer, hot emmer brav sei Sach gschafft on isch ab on zua au uff d’Jagd gange. On do isch’s auch bassiert: Oiner von seine Jagdgenossa, a granademäßigr Debb, hotten fiera Wildsau ghalte on uffen zielt. Seither isch sei Frau Witwe.

( Er goht links zum nägschta Schtuahl)
Des isch dr Draugodd, dr Sohn vom Dorfpfarrer. Er hodd au Pfarrer werda wella on hot in Tübinga em Stift schdudiert. En derra Zeid, wo d’Sofie mettem gange isch, isch se ganz fromm gwä on er hot emmer arg uff ihr Tugend g’achted. Se isch jeden Sonndag in d’Kirch ganga, war em Mädchenkreis on hot fiern Weihnachtsbazar Socka gschriggt on Strohschtern baschelt. Dr Draugodd hot in Tübinga zura Verbindung ghert. Leidr hot er uffema Himmelfahrtsausflug uff d’Burg Hohenendringa z’viel gsoffa. Weil s’em zom Schbugga nemme uffs Glo glangt hot, hot er dr Kopf zom Fenschtr nausgstreggt. Dobei hotter s’Iebergwicht griagt on isch d’Burg nondergfloga. Von do a isch d’Sofie lang nemme en d’Kirch gange.
Dr Draugodd hot a Schwäbisch gschwätzt, des mr im Ländle als „Kanzlschwäbisch“ bezeichnet. Mr kennt drzua au „Schäuble-Schwäbisch“ odr „Mappus-Schwäbisch“ saga.

( nägschter Schtuahl, uff dr andere Seide vom Disch)
Do sitzt dr Alphonse. Dr Alphonse isch a Franzos gwä. Er war Offizier bei de Besatzungsdrubba, die domols in Tübinga stationierd wared. Er isch mit seim Sidroä ens Dorf komma on no senn d’Sofie on er emmer naus en Wald g’fahre. Wenn se wiedr komma sen, war d’ Sofie arg vrschdrubelt on hot a ganz rot’s Gsicht ghett. En dera Zeit hott se emmer schigge Kleider aus Paris aghett on sich knallroda Libbestift uff dr Mund gschmiert. Schdadd „Entschuldigung“ hot se „Pardo“ on schdatt „bidde“ „sil vu plä“ gsagt. Se hott damit grechnet, dasser se mit noch Frankreich nemmt. Doch soweit isch’s net komme. Was d’Sofie net gwisst hot: Er war scho verheiradet on plötzlich hots gheusa, er sei dod, weil em sei Frau, wo se von seinera Affär ghert hot, Arsen end Subb neido hot.

(letschdr Schtuahl, rechts nebbe dr Sofie)
Desch isch dr Richard. Zu dem hen älle abr bloß Ricki gsagt. Des isch a richtigs Friechtle gwä, hot s’erschte Modorrad em Dorf ghett on emmr oheimlich mit Geld om sich gschmissa. Älle hen gwisst, dasser zu seim Haufe Geld ned uff redliche Weis komme isch. Mr hot gmunglt, dass etliche Eibrich en dr Gegend uff sei Kondo ganga sen. Sofie war so ebbes wie sei Gengschterbraud. Se isch henda uff seim Modorrädle ghoggt on s’hott ghoißa, dassse ehm bei seine Brich Schmiere gschdande isch. Des isch lang guad gange bis zo dem Dag, wo dr Ricki a Schbarkass en Reitlinga hott ieberfalle wella. D’ Bolizei hotten erwischt on als er uff seim Modorrad abhaue wella hot, hot enn a Kugel von henda droffe. Ob d’Sofie en Reitlinga au dabei gwä isch, hot mera net nochweisa kenna. Von do a hot se a neis Leba agfange on isch widr jeden Sonndag in d’Kirch gange.
Bald druff hot se ihr’n Mo, da Friedr gheiradet. Wo der au dod war, hot se außr a baar Affäre, meischtens mit verheiradete Mennr – auch dr Dogdor on dr Birgermeischter vom Dorf wared dabei – koine feschte Beziehunga meh ghett. Dr Schorsch, ihr Nochbr, hett se gern gnomme. Er isch zwor zehn Johr jinger wie sie, abr des macht ehm nix aus. Se isch nemlich ziemlich reich. Kurz nochdem ihr Friedr ondrm Boda war, hot se seine Äggerla guad verkaufe kenna. Uff oim stoht heit a Elegdronikfabrik, uffem andera a Fabrik fier Margaglamodde.
Abr dr Schorsch bleibt am Ball. On mindeschtens oimol em Johr ko d’Sofie ehn au brauche. Denn er ko guad koche, was fieran Mo aus derra Gegend sonscht net grad ieblich isch. Außerdem isch er ihra au manchmol anderweidig behilflich.

(Inzwischen hott der Schorsch älles wunderbar nagrichtet. Jetzt kommd d’Sofie Drebb ronder. Se sieht richdig guad aus en ihrm lange Gleid on mit ihre frisch grichtete Dauerwella, in denne s’sogar leicht blau schimmert).

Schorsch:
Griss Godd Sofie, do bisch jo.

Sofie:
Griss Godd Schorsch.

Schorsch :
(schdreggt sei Hand aus, om se anda Disch zfiera)
Sofie, du siesch wieder richdig guad aus.

Sofie:
Dange, Schorsch. On du hasch au wiedr älles prima nogrichdet, no kas jo losgange.
(se setzt sich uff ihrn Blatz, dr Schorsch riggt erra dr Schtuahl richtid no)
Sen älle do?

Schorsch:
Ha jo, sen älle do.
(goht von oim Schtuahl zom andera)
Dr Friedr, dei Mo, dr Draugodd, dr Alphonse on dr Ricki.

Sofie:
Do frei i mi abr. No kosch d’Supp brenga. Wasch haschen fr oine?

Schorsch :
S’ gibt Flädlessupp, Sofie.
(er goht zur Arrichte on stolberd ieber dr Wildsaukopf, der middla em Weg liegt)
Hoppla
( er guggt uff des Vieh nonder on schiddeld grandid dr Kopf. No schengt er Supp ennen Deller on brengt ehn dr Sofie)

Sofie:
Gibsch ons an Scherry drzua, Schorsch.

Schorsch:
Isch guad, Scherry
( Er goht zur Arrichte on wiedr zrick,, ohne ieber d’ Wildsau zstolbera, on schenkt nochanander älle Gläser voll, beim Zrickgange zur Arrichte, wo er die Flasch abschdellt, bremsd er sich kurz vor dem Wildsaukopf on goht dromrom. No proschded er mit dem Glas vom Friedr seim Platz dr Sofie zua)
Mache mr s’ wie emmer, Sofie?

Sofie:
Wie emmer, Schorsch.
(se beigt sich zum Platz vom Friedr nieber)
Mei Friedr!

Schorsch:
I gradulier dr, Weible, mr kennd sich glatt nomal in de vergnalla.
(drengt aus)

Sofie:
(guggt zom Draugodd seim Platz niebr)
Dr Herr sei midder, Draugodd

Schorsch:
(guggt feierlich on ziemlich fromm)
Ich wünsch dir den Frieda, den Säga und den Heiligen Geischt für dein neies Läbensjahr, Sofie.
( drenkt)

Sofie:
(zom Platz vom Alphonse nieberbeigt, gibt ihrm Schwäbisch an französischa Akzent)
Alphonse, isch freue misch, dass du da bist.

Schorsch:
Chérie, meine Schöne, ma belle.
( drenkt on schbreizt, wie bei de andere Mol au, de gloine Fenger drbei ab)

Sofie :
(guggt zom Ricki)
Ricki, dass du au do bisch

Schorsch:
Guad, dasses uff deim Geburdsdag koine blaue Bohna gibt, haha!
( er guggd d’Sofie verschwörerisch a on drengt)

Sofie:
Dei Flädlessupp war guad. Jetzt kasch d’Mauldasche brenga – hasch se greeschded?

Schorsch:
Freilich, greeschded.

Sofie:
Gibsch an Schwarzriesling drzua

Schorsch:
( niggt on goht middem leera Subbadeller zr Arichte. Desmol basst er ned uff on stolberd wiedr ieber dr Wildsaukopf on schempft)
Heidenei
(er schengt dr Schwarzriesling ei)
Wie emmr, Sofie?

Sofie:
Nadierlich wie emmr.
(des Zubroschda wiederholt sich wie beim erschte Mol)
Mei Friederle!

Schorsch:
(scho a bissle beduselt)
Sofie, mei Schnuggele, mei Scheißerle.

Sofie:
Draugodd, mei Guader

Schorsch:
Herz und Herz vereint zusamme, Sofie.

Sofie:
Alphonse!

Schorsch:
( französischer Akzent)
Du büscht so ’errlisch anzusehän, Chérie!

Sofie:
Ricki!

Schorsch:
Sofie, mir zwoi mol widr uffam Bock, was moinsch?

Sofie:
Waret guad, deine Mauldasche. Wasch hosch fieran Broda?

Schorsch:
Roschdbroda, Sofie.
(Er fillt an dr Arichte an Deller fier d’Sofie uff)

Sofie :
Prima, i glaub, do drenga mr an Trollinger mid Lemberger drzua

Schorsch:
(rülbst a bissle, er hot jetzt scho an leichta Dullo)
Isch guad, Sofie, Trollinger mit Lemberger.
( er god zr Arichte on hold dr Wei, beim Zrickgange schnolbert er a bissle, er schenkt d’Gläser voll, on brengt die Flasch wieder an d’Arrichte, ohn zscholbera)
Wie emmr, gell?

Sofie:
(niggd)
Friedr, teurer Gadde!

Schorsch:
Sofie, du bisch on bleibsch s’Schärfschde zwischa Balinga on Messschdedda!

Sofie:
Draugodd, mei Tugndlämmle!

Schorsch:
(jetzt emmr ärger beschwibbst)
Deine Liebe ischt lieblicher als Wein, deine Salben riechen köschdlich, deine Augen sind wie Tauben.

Sofie:
Alphonse, mon cher!

Alphonse:
Isch lade disch in meine Sidroä ein unde wir fahren in das foret, n’est ce pas?

Sofie:
Ricki!

Schorsch:
( nemmt aus Verseha d’Blumavas on drengt)
Pfui Deifel, Mensch Sofie, du häddesch doch Schmiere stande solle, hasch nedd uffpasst?

Sofie:
Dr Roschdbroda hot mr gschmeggt, hemmer no an Nochdisch?

Schorsch:
(holt Luft on hebt sich am Schduahl von dr Sofie, er schwankt on zieht dr Schduahl aus Verseha zrick)

Sofie:
(juuchdzt vor Schregg)

Schorsch:
(sei Zong ruschtem jetzt scho ziemlich aus on er muss beim Schwätze ganz arg ufbasse)
Als Nochdisch hemmer Nonnafirzla

Sofie:
Do drenged mr an Sekt drzua. On älles wie emmer, brauch’sch garned erscht froga.

Schorsch:
(er isch nemma sicher uff de Fiaß, deshalb schdolberd er widdra amol iebre de Wildsaukopf, dr leergessene Deller fälld na on goht hee, er lässt d’Scherba liega on fluacht)
Heilandsacknomal, des bleede Vieh, i schmeißes no zom Fenschdr naus.
( kommd mittem Seggt zrieck on schenkt ei, de Häfld davo goht drneba, d’Flasch lässter uffem Disch standa)

Sofie:
Friedr, du mei viel z’bald verblichener Mo

Schorsch:
Fraule, mit dir nomal en d’Glockeblume, des wär schee

Sofie:
Draugodd, mei Guader

Schorsch :
(singt)
Nun danket alle Gott, die Kirche ischt bankrott

Sofie:
Alphonse!

Schorsch:
(haut d’Fiaß milidärisch aneinandr, was ehm saumäßig weh duad, sodass er a Weile romhupfa muss)
Vive la France, vive de Gaulle, vive la liberté! Vive ma chère Sofie !

Sofie :
Ricki !

Schorsch :
( er nemmt bloß no an Schlugg vom Seggt, dr Rescht schittet er in d’Blumavas, singt)
Uffem Wasa graset d’Hasa, hinta schtoht dr Bolizischt!

Sofie:
Schorsch, des war a toller Geburdsdag on dei Essa hat vorzieglich gschmeckt.

Schorsch :
(lallt)
Ddes fr- freit mi a-a-aber!

Sofie:
I glaub, i muss mi jetzt a bissle ausruha noch dem reichhaltiga Essa, i muss a bissle nuff.

Schorsch:
Guad, i h-helf dr
( gibdra d’Hand on hilft ra, so gauds in seim Dullo goht, d’Trepp nuff)
Iebrigens, Sofie, wie emmer?

Sofie :
( süffisand)
Nadierlich wie emmr, was denksch denn du? Komm, mach nore.

Schorsch:
(hold energisch Luft)
Guad, s’isch recht, no will i mr halt recht Mieh gebba.l