Wandel der Wunschzettel in 50 Jahren

Wilhelm Dinauer

Der Seppi schreibt im Jahr 1948 folgenden Wunschzettel:

Liebes Christkind,

bitte hilf meiner Mama, daß ihr Husten endlich besser wird, und ich hätte so gerne ein ganzes Sackerl voller Schusser, weil man mit denen auch im Winter in der Stub`n soviel spielen kann.

Und wenn ich mir no was wünschen derf, dann möcht` i ganz gern wieda amoi zum Onkel Max nach Holzkirchen fahrn, weil der do a Metzgamoasta is und i so vui Würscht essen derf, wia i dazwing.

Und zum Schluß hob i no oan Wunsch - sogt d`Mama - es waar schee, wennst du uns helfen kannst, daß der Babba endlich aus der russischen Kriegsgefangenschaft hoam kemma derf.

Vielen Dank liebes Christkind

Weihnachten 1955: Christina schreibt an das Christkind

Ich wünsche mir ein Monopolyspiel und einen Hula-Huup-Reifen. Dann brauche ich ein Paar neue feste Winterschuhe und einen warmen Mantel, weil ich aus dem alten drausgewachsen bin. Für den Sommer wäre es eine Riesenfreude, wenn ich ein Fahrrad bekäme, daß ich damit in die Schule fahren könnte.
Und ein Paar Schlittschuhe würden mich sehr freuen. Es können auch gebrauchte sein, weil ich aus den Schuhen doch wieder drauswachse.
Natürlich wünsche ich mir auch was gutes zum Essen - Schokoladenlebkuchen mag ich besonders gern.
Jetzt hoffe ich, daß ich nicht zu viele Wünsche aufgeschrieben habe.
Es muß ja nicht alles sein.

In Dankbarkeit
Christina

Weihnachten 1965, Thomas schreibt:

Ich brauche einen tragbaren Plattenspieler (DUAL) mit Koffer und viele tolle Platten.
Unbedingt muß ich eine neue Skiausrüstung mit Sicherheitsbindung haben, weil wir Ende Januar ins Skilager fahren.
Auch meine Handschuhe und die Haub`n und der Anorak sind total veraltet.
Für den Sommer wären ein Paar adidas-Fußballschuhe recht und ein Fernsehfußball in schwarzweiß.
Übrigens, für den Weg ins Gymnasium wäre ein Mofa auf die Dauer billiger als die Buskarte.
Mein Lieblingswunsch ist eine Gitarre, aber keine so altmodische braune, sondern eine moderne weiße mit Metallverzierungen drauf und dazu ein Verstärker. Das muß aber nicht sein.

Euer Thomas

Weihnachten 1975, Sabine schreibt noch eine Geschenkliste:

Jede Menge Poster für mein Zimmer,
einen japanischen Taschenrechner,
eine Minox-Kleinbildkamera mit Filmen dazu,
einen tüchtig ausgebleichten Jeansanzug aus der Boutique,
einen Kassettenrecorder mit Kassetten,
Langlaufski mit Zubehör,
für den Sommer eine Tauchausrüstung, wenn wir wieder nach Italien fahren,
ein Klapprad zum Mitnehmen im Auto,
ein selbstklebendes Fotoalbum, es können aber auch mehrere sein.

Bitte abhaken, was ihr mir kauft, und die Liste dann weitergeben an Oma und Tante.

Christkindlbrief 2000:

Hi, Christkindl!

Host überhaupts no ebbs gscheits do,
oder bin i z`spat mit`n faxen scho dro?
An tollen Computer möchte i b`stelln.
Und s`Internet derf aa net fehln,
daß i surfen ko wohin i mog,
in der Früah, bei der Nacht und den ganzen Tog!
Mit oam vom Aldi brauchst net kemma,
den konnst höchtens für d`Hause nehma.
A Handy koost ma aa no bringa,
aber des muaß fünf verschiedne Töne singa,
a Mailbox brauch` i obendrei,
i muaß ja allawei erreichbar sei.
Wennst mi boid belieferst, waar net schlecht,
a Woch vorm Fest, des waar ganz recht,
weil i am Heilg`n Abend scho fliag,
nachdem i sonst koan Plotz mehr kriag
im Düsenjet mit Überschall
der bringt mi zum Silvesterball.

Tschüs und Ciao, Dein Kare Huaber
Bring fei pünktlich alles zuawa!