Eine kleine Weihnachtsgeschichte

Hildegard Weißer


Es war einmal ein kleines Licht. Das brannte so ganz kläglich vor sich hin.
Da kam ein kleiner Junge vorbei und sprach: „Hallo Licht, was machst denn Du da so ganz allein. Ich blase Dich jetzt aus.“ „Oh bitte nicht!“ sprach das Licht. „Dann ist es so dunkel und so kalt um mich herum. Ich friere und fürchten tu ich mich auch im Dunklen. Komm setz Dich zu mir, dann kannst Du Dich auch ein wenig wärmen.“ „Ach Du kleines Licht, was willst Du mich erwärmen!“ sagte der Junge abfällig. „Warte nur ab, sprach das Licht, bald kommt ein zweites, dann ein drittes, dann ein viertes Licht und dann kommen viele, viele Lichter die die ganze Welt erleuchten und die Herzen der Menschen erwärmen.“ „Ein Menschenherz kann man doch nicht warm machen“ antwortete darauf der Junge. Nach einer Weile setzte er sich dann doch neben das Licht. „Sag mal,“ fragte das Licht, „warum bist Du denn an diesem kalten Abend nicht zu Hause bei Deiner Familie.?“ „Ach, das ist eine dumme Geschichte“ , sagte der Junge , „ich bin von zu Hause weggelaufen, weil ich meine Mutter bestohlen habe. Und nun kann ich nicht mehr zurück.“ „Naja,“ meinte das Licht, „man darf niemals auch nur irgendwen bestehlen, aber ich denke, wenn Du Dich bei Deiner Mutter entschuldigst und ihr das Gestohlene wieder zurückgibst, wird sie Dir ganz bestimmt verzeihen“. „Ich will mich nicht entschuldigen und ich will auch nicht zurück“. erwiderte der Junge ganz barsch.

Auf einmal flackerte ein zweites Licht auf, der Platz wurde heller und es wurde zunehmens wärmer.
Der Junge rückte näher an die beiden Lichter heran. Er rieb sich beide Hände und wurde ganz still.
Alsbald brannte auch ein drittes Licht. Plötzlich spürte der Junge, wie es in seinem Inneren ganz anders wurde und er sprach mit leiser Stimme: „Ich glaube, ich sollte mich doch bei meiner Mutter entschuldigen. Eigentlich tut es mir auch leid was ich getan habe und ich mag doch meine Mutter so sehr.“ Mittlerweise brannte auch das vierte Licht . Es war eine mollige Wärme rings herum. Die Augen des Jungen fingen an zu glänzen. Plötzlich rannten Tränen über sein Gesicht und mit schluchzender Stimme sagte er: „Es tut mir ja so unendlich leid was ich getan habe. Aber ich kann doch nicht mehr heim, meine Mutter will mich bestimmt nicht mehr sehen.“
Da sprach das Licht: „Nun mein Junge, mach Dich jetzt ganz schnell auf den Weg zurück. Wir vier Lichter werden Dir den Weg durch das Dunkel erleuchten. Und Du wirst sehen, es wird alles wieder gut.“ Mittlerweile leuchteten all überall viele Lichter, die ganze Welt erstrahlte in hellem Glanz. Zu Hause angekommen klingelte der Junge an der Haustür. Sie öffnete sich und seine Mutter stand vor ihm. Er sagte etwas zu ihr. Daraufhin nahm sie ihren Jungen in den Arm drückte ihn ganz fest. Und beide weinten und freuten sich gleichzeitig. Die Mutter nahm den Jungen mit ins Hause und die Türe fiel leise ins Schloss.
Die vier kleinen Lichter waren mittlerweile fast abgebrannt. Sie flackerten noch einmal auf und meinten: „Wenn wir auch noch so klein sind, aber zusammen haben wir doch ein kleines Herz erwärmen können.“ Danach erloschen sie.