Der Kur-Lauber

Hannelore Stumpp

Eines morgens kam er zur Tür herein,
ich fahre kuren, es muss sein.
Und am 24. da fuhr er fort,
Bad ????.. heißt der Erholungsort.

Das Hotel hat laut Prospekt allen Komfort,
drum fühlte er sich so wohl auch dort.
Nicht mal eine Karte hat er geschrieben,
ich glaube, der tut uns nicht mehr lieben.

Wenn man den Prospekt mal näher besieht,
kann man sich denken, was dort alles geschieht.

Morgens wird man mit Kuss geweckt,
damit man sich ja nicht zu sehr erschreckt.
Und weil alles nach dem Waschen soll sauber sein,
steigt man auch zu zweit in die Wanne hinein.

Danach wird sich ausgeruht,
damit sich das Blut wieder beruhigen tut.
Nach der Erholungspause geht`s in den Frühstücksraum,
das ist ein Frühstück, lass mal schaun.

Kaffee, Tee und Schokolade,
Sahne, Milch und Raffinade,
Butter, Käse, Wurst und Mus
sind der erste Magengruß

und nach der ersten Zigarettenpause,
fühlt man sich fast schon wie zuhause.

Nun geht`s ab zu den Massagen
und das bringt das Blut ins Rasen,
denn dort steht im kurzen Kittel,
die Masseuse mit dem Doktortitel.
Sie drückt und knetet und massiert,
damit auch ja nicht mehr passiert,

dann geht`s ab, ins kühle Nass,
das bringt dann erst den richt`gen Spaß.
Zuerst wird hin- und hergeschwommen,
vor lauter Nackedeis ist man ganz benommen.

So geht der Vormittag dann immer weiter,
mit schwimmen und spaßen, so richtig heiter

Mittags gibt?s ein gutes Essen,
es besteht aus lauter Delikatessen.
Aufzählen kann man es kaum,
es ist der reinste (Fr-)essens-Traum.
Danach folgt die Mittagsrast,
und schon jetzt wird aufgepasst,
dass jeder schläft auch nicht allein,
dieses ist dann immer fein.

Nun folgt eine Wanderung
zur allgemeinen Aufmunterung.
Mal geht es auch mit dem Auto ab,
immer ist man so auf Trapp.
Um 15.00 Uhr ist Kaffeezeit,
da steht jeder gern bereit.

Aus allen Winkeln kommen sie angerannt,
sie sehen aus, sehr sehr abgespannt.
Denn müde wird man von dem Rennen,
man kann ja auch nicht immer pennen.

Ist die Kaffeepause vorbei,
dann geschieht so allerlei.
Es wird gescherzt und viel gelacht
und an Blödsinn nur gedacht.

Bis dann folgt das Abendessen,
man weiß gar nicht, was soll ich essen.
Wieder wird alles so großartig serviert,
und die Brötchen vorgeschmiert,

man nicht weiß was man essen soll,
alles schmeckt so gut und toll.

Später folgt allgemeines Fernsehklotzen,
das Programm ist wieder mal zum kotzen,
drum geht es weiter an die Bar,
denn dort ist immer wunderbar.

Alle Möglichkeiten stehen offen,
wenn nichts klappt, wird sich halb besoffen.

So enden hier die Tage,
mit Spaß, mit Mühle und mal Plage.
Und doch scheint es wunderschön,
man möchte nicht mehr nach Hause gehen.

Doch, wenn der letzte Tag dann naht,
ist man froh, dass man es überstanden hat.
Und ist man erst bei seinen Lieben,
fragt man sich, was hat einen nur fortgetrieben.