Wia da Jesus auf d`Welt kemma is

Jetzt kimmt a Gschicht, de kennt a jeder.

Und trotzdem nimm i auf mei Feder,
Möchts schildern aus a andern Sicht
So kimmts aa in a anders Licht.

De Umständ war`n bekanntlich hart
Und neamands war feinfühlig und zart.
Es war koa Platz net bei de Leit
Für de, die ma verehren heit.
A Stall scho fast wia a Versteck
Da hat d`Maria in am finstern Eck
Ihren Buam zur Welt in Armut bracht,
nix war romantisch in dera Nacht.

Und weit und breit koa Hilf net da,
Als Hebamm – Joseph, ihra Mo.
Ob des für a Entbindung reicht?
Woaß Gott, de Nacht, de war net leicht.
Aa wenns wer anders hätt´s erwart
Des Menschsein is von Anfang hart.
Des Göttliche zu dera Stund
Fangt`s Menschwerdn o von ganz weit drunt.
Doch überstrahlt der Liebe Macht
Die Zwidernisse dera Nacht!

Kaiser Augustus hat befohln,
daß alle Leitln zählt werdn solln.
De wohna da auf dera Welt,
ob in am Hausboot oder im Zelt,
ob auf der Parkbank, auf der Bruckn,
ob in am oidn Bretterschuppn,
ob in der Wand im Biwacksack,
ob in am Wigwam, wer des mog,
in am Schlafwagn oder in am Iglu,
oder im Haus aus weiße Zieglu,
ob in der schönsten Fürstensuit`,
ob in am Loch aus Loahm und Kitt-
ganz wurscht, wo oana vegetiert,
an jeden hat er herzitiert.

Der Staat, der Kaiser braucht a Geld
Wias öfters is auf dera Welt.
Ma nimmts, wia allawei grod von de Kloana,
de ziahgt ma aus bis auf de Boana.
De kenna koane Steuertricks,
de sagn, des was ham, und des is nix.
A jeder tragt, so muaß des sei,
si in de Steuerlisten ei.
Was si der oanzelne derspart,
auf des hat grod der Kaiser gwart.
Was si des Volk derarbat hat,
des schmeißt mit volle Händ der Staat
für Teilbereiche einfach naus,
mei liaba Mo, da kimmt da oft der Graus.

Mei liaba Freind, der guat Augustus,
bloß weil eahm packt amoi der Gustus,
und weil er d`Lust am Zähln entdeckt -
hat er de ganze Welt aufgschreckt.
Ob jung, ob alt, des war eahm gleich,
ausgnumma warst da bloß als Leich.
A jeder hat sein Rucksack packelt,
und is so in sei Stadt neigwackelt.

Aus Nazareth wars aa a Schar,
obwohl d`Maria schwanger war,
und des sogar im neunten Monat-
brauchst gar net glaabn, daß ma sie schonat.
Hat`s mit geh müaßn mit ihrem Sepp,
der nennt an Kaiser bloß an Depp.
Und fuchtig war er wia no nia,
vor lauter Wuat trinkt er no a halbe Bier:
" Der war net lang gnua in der Schui!
Was treibt denn der da für a Gspui?
Wieso is denn sowas überhaupts erlaubt,
daß der uns aus de Häuser staubt?
Neun Monat ham mia zwoa ois do,
damit des Kind gedeihen ko.
Und jetzt nachad auf`n Schluß,
da bringt der Hirsch uns den Verdruß!
Bloß weil der Kaiser is plemplem,
da derfa mir auf Bethlehem!
Eitrogn müaß ma uns auf am Blattl,
i glaab, dem fehlt im Hirn a Radl!"

So hat er gschimpft de ganze Zeit.
Der Weg nach Bethlehem war weit.
Groast san`s ja grod mit oam E S
(Oa Eselstärkn nennt ma des!)..
Beschwerlich war`s auf jeden Fall,
z`guata Letzt landen`s dann im Stall.
D`Maria, de treibt`s umanand,
im Gsicht is bleich ois wiara Wand.
Sie spürt zwar jetzt no koane Wehn,
doch se konn scho nimmer richtig stehn.
Und schwindlig wirft se si auf`s Stroh.
"Endlich! Grod liegn - mei bin i froh!
Mir is ganz wurscht, wo i jetzt bin,
im Hilton oder in amViehstall drin.
Denn weiter hätt i`s nimmer gschafft,
mir fehlt hat doch scho ganz schö d`Kraft!"

Vor Müdigkeit falln d`Augn ihr zua,
sie braucht jetzt notwendig ihr Ruah.
Der Joseph aber explodiert:
"Wenn i derwisch an so an Wirt,
der uns net einglassn heit,
vergiss i mi – und des frei gscheit!
I kunntn packa bei seim Schopf
Und neitauchn in`n Suppentopf.
So mittn`nei in d`Leberspatzl,
bis daß eahm d`Augn außabatzelt.
Und auf der Nasn s`Suppengrea
Sei Gfrieß verziert schö kreuz und quer!
Wia konn ma denn so herzlos sei?
In mein Kopf da geht des gar net nei!
Ja d`Nächstenliab is Schall und Rauch,
hilft net amoi am schwangern Bauch.
Wenns Gwand koa guate Zech verspricht
Will koana di von dene Wicht!
Waarn ma mit`m Vierspänner vorgfahrn
waar anders ausgfalln ihr Gebarn.
Ja wenn so mancher riacht as Geld
Vergißt er d`Liab und d`ganze Welt...
Über d`Verwandtschaft möchte i schweign,
de konn ma künftig aa gstohln bleibn.
Nix hamma gmein als wia di Nama!
Mit der Bagage, da kunnst di schama.
Wias di alloa scho ogschaugt ham,
abweisend kneifen`s d`Augen zamm.
Jetzt hock ma da in Bethlehem –
Des hoaßt zehn Kilometer danebn
In so am oidn Viehstall drin.
Was Bessers is net überbliebn."

"Geh Joseph, gib amoi a Ruah!
Jetzt is mit´n Schimpfn aber gnua!
Sei z`friedn endlich guater Mo,
mia ham a Dach, geh san ma froh!
I hab jetzt nämlich so a Gfühl,
als ob der Bua glei kumma will.
Im Kreuz ziagts scho die ganze Zeit,
i glaab, er kimmt. Jetzt is soweit!"

Da hat`s am Joseph d`Sprach verschlagn.
Er konn sonst einiges vertrogn.
Doch jetzt laßt er d`Brotzeit falln,
mit der er si hat stärkn wolln.
"I hab mirs aber denkt scho glei,
bei dera Eselschauklerei,
da is des überhaupt net drin,
da kumma nia bis zum Termin!
Zwoa Wochn früher als normal,
Der Viehstall als Entbindungssaal –
Jetzt kimmst daher, ja des is guat!
Respekt mei Kind! Du hast an Muat!"

"Au, Joseph! Jetzt ziagts fei schee!
All fünf Minutn spür i a Wehn.
Es druckt scho oiwei mehr nach unten!
I gllab, jetzt hab i glei entbundn!".

"No net, Maria! Net mitdrucka!
I muaß erst no des Gstell wegrucka,
und erst a saubers Tuach hinlegn,
sobnst kunnt dem Kindl leicht was gschehgn!
Geh zua, Esel, auf d`Seiten schnell!
Du, Maxl, Ochs geh aa ins Eck,
mia braucht ma jetzt an freien Fleck!
No oamoi derfst a bißl nippen,
dann brauch i euer Futterkrippn.
De is herin der oanzig Platz,
wo nachad gschützt is unser Schatz.
Auf daß i schnell a Stroh neistopf,
"Joseph! Joseph, - au der Kopf
druckt so. I muaß mitdrucka!".
"Marei, Marei, er is do!
Jetzt is vorbei, mei bin i froh!"
In`s Tuach schnell einegwickelt, hopp!
`S Verkälten gang uns grod no ab.
Und dann glei nei ins Futterkripperl,
bis d`von der Mutter kriagst die Süpperl.
"Geh, Esel dua die Zunga weg,
weil i dir sonst glei oahne steck!
Die Zunga, die is doch vui z`rauh,
für so a Menschenkinderl – schau!
Und dir Maria, wia geht`s dir?
I gib mir wirklich alle Müah!
Damit i alles richtig mach.
I hoff, er übersteht`s guat. Ach –
Schaug hi, wia liab er drinna liegt,
i glaub fast, daß der uns scho siehgt!"

"Mei, Joseph, bin i jetzat froh,
a bißerl weh do, hat`s frei scho!
Jetzt aber is des ois vorbei,
du glaubst es net, wia i mi gfrei!
I bin so glücklich wia no nia,
fühl mi geborgen neber dir.
I glaub, im schönsten Krankenhaus
Kaam`s Kindl aa net besser raus,
als wia in unserm kloanen Stall,
mir is ganz leicht jetzt auf amal".
Sie nimmt`n glei, ihren Jesusbuam,
und gibt eahm d`Brust, dem kloana Wurm.
Eigschlaffa san`s dann alle drei,
Jetzt war der schwerste Tag vorbei.
Der Joseph kann si aa ausruahn,
ko mnchmal nach seim Kindl lurn.
Er hat scho`s rechte Vatergfui,
der Stammhalter is da, Juchhui!!

Er geht an Stammbaum durch allmähli,
er selber is der sohn vom Heli,
der wiederum dann a Sohn vom Machat,
der wiederum vom Levi nachat.
Auf den na scho der David kimmt,
an Isaak, Abrahm, kennt`s bestimmt.
Dann kimmt der böse Kain, der Seth,
un dem, wias in der Bibel steht,
dem hat der Adam gebn as Lebn,
na ja, und der, der war aus Lehm.
Den hat der Herrgott selber gmacht,
O´ghaucht bloß – scho hat er glacht.
Is des net a kloans Wunderstück,
daß er sein Stammbaum kennt bis zrück –
ja auf`n Herrgott selber glei!
Natürlich is de Zeit vorbei...
Jetzt san scho a paar Jahr verflossen,
und grod bei manchem Zeitgenossn,
da kaamat`sd net grad auf de Idee,
er kunnt im selben Stammbuach steh!!