Gourmets

Horst Reiner

Da wo man vornehm Essen geht,
und wo "Gourmet" am Eingang steht,
da kommt man mit dem Geld nicht aus,
und kommt wie halb verhungert raus.

Weil mir grad 55 Jahre verheiratet sind, hat mich mei Frau zuletzt ganz nobel ausgeführt. In ein Lokal der Nouvelle Cuisine, Roteserie Dupes hat die Wirtschaft geheißen, so was lahmes! In den Pausen wo ma nix bekommen haben, hätte man wo anders dreimal essen können.

Beim Reingehen müssen wir zwei uns schon verlaufen haben. Da hat uns nämlich einer gefragt "Darf ich Ihnen aus der Garderobe helfen?" Bis an unseren Tisch ist er uns nach gelaufen - der muss auch so einen Hunger gehabt haben. Dauernd hat er an meiner Jacke rumgezupft, da wo das Futter rausgehängt ist. Vorsorglich hab ich die Jacke ausgezogen. Der Kerl hat nämlich weiße Handschuhe angehabt, bestimmt wegen der Fingerabdrücke.

7 Gänge haben wir bestellt und wo sind wir gesessen: Mitten im Raum !!! Auf jedem Tisch sind gebrauchte Kerzen gestanden. Die müssen die Gäste vor uns vor lauter Lachen ausgeblasen haben, wie sie ihre Portionen angeschaut haben. Nicht einmal die Reste vom Frühstück waren abgeräumt. Auf jedem Tisch war noch Brot und Butter rumgestanden, mir sind darüber hergefallen, bei dieser Warterei.

Was die in 4 Stunden mit 2 Bedienungen auf 7 Tellern serviert haben, hätte es bei uns zu Hause aus einem Tiegel keine 5 Minuten gebraucht, dann wäre der Zauber verdrückt gewesen. Dreimal hat mir der Herr Ober eine Hundeleine gebracht, weil mein Magen so geknurrt hat.

Der Getränke-Kellner hat gefragt: "Möchten Sie vor dem Essen einen Sherry medium - oder Dry?" Da hab ich gesagt: "Mach keine Pflanz und bring´s alle viere." Dann ist der Ober mit einer Flaschen Wein gekommen. Ein Zirkus hat der gemacht, bis er den Stöpsel aus der Flasche bekommen hat, in der Zeit hätte ich zu Hause 5 mal en Stöpsel mit den Daumen in die Flasche gedrückt.

Aber der muss sich dabei verletzt ham.

Der hat nämlich dauernd die Hand auf den Rücken gelegt und hat ein Handtuch darüber gehängt …., ist um mich rum und dann von der anderen Seite gekommen und hat mir gezeigt, dass er die Flasche noch hat, fängt an zum Einschenken, hört nach 3 Tropfen wieder auf und grinst mich an. Ich habe zurück gegrinst - lang, immer wieder. Aber nach einer halben Stunde war es mir zu blöd, hab gesagt: "Horch zu Kamerad, ich muss am Montag wieder in die Arbeit! Entweder du rückst die Flasche raus, oder du hast morgen die zweite Hand auch auf dem Buckel."

Als Erstes kommt die Tomatensuppe mit Basilikum im Näpfchen. Ich weiß ja, dass eine Tomatensuppe rot ist, aber wie ich das Näpfchen gesehen hab, ist es bestimmt blass geworden. Aber mir ist das Wasser im Mund zusammen gelaufen, wie ich die Suppe im Näpfchen gesehen hab, mitten im Näpfchen sind 2 Augen geschwommen. Die Augen haben mich kurz angeschaut, das eine von den beiden muss mich gekannt haben, das hat sich dauernd umgedreht. Das andere hat hat auf meinen Löffelstiel geschielt. Das muss ein Stielauge gewesen sein.

Der Ober hat gesagt: "Bei uns isst das Auge mit!" Da hab ich gesagt: "Ich merk`s." Je länger dass ich in die Suppe schau um so weniger wird es.

Und das Basilikümchen! Mensch hat das Ding eine Angst gehabt, jedesmal wo ich es mit den Fingern rausfischen wollte ist es wieder untergetaucht.

Ich hab mir extra die Tischdecke über den Schoß gezogen, dass das, was durch das Hemd über meinen Bauch läuft, nicht noch meine Schuhe versaut.

Dann hab ich das Näpfchen mit den Tomatensupperl am Henkel genommen, bin aufgestanden, hab meinen Nachbarn zugeprostet der war nämlich auch das 1. Mal da - kommt einer von hinten und schubst mich an! Mei haben wir gelacht, wie dem Nachbarn seine Frau ausgeschaut hat.

Dann ist der 2. Gang gekommen. Das muss ein Geheimgang gewesen sein. Wie haben wir gesucht! Auf der Karte ist gestanden: "Verlorene Eier", deswegen haben wir die auch nicht gefunden.

Dann hat es "Wachtelnbrust im Honigwickel" gegeben. Die Wachtel muss Bronchitis gehabt haben, wozu braucht´s denn sonst einen Honigwickel? Dann hab ich den Ober gefragt, was denn das für ein grüner Fleck auf meinem Teller ist. Hat der gesagt: Das ist ein geachteltes Salatblatt.

Da hat man ja die Luft anhalten müssen, denn wenn ich ausgeatmet habe, ist das Ding fortgeflogen. Der ganze Tisch hat danach geschnappt. Ich hab dann zu meiner Frau gesagt: "Ich heb jetzt den Teller an meinen Mund und wenn das Ding wieder vorbei fliegt, bläst du mir es bitte hinein.

Fast hat es geklappt. An der Nase ist es hängen geblieben. Da hab ich wenigstens erwischt.

Der nächste Gang waren "Früchte des Meeres". Meine Portion muss der Angler mit einem Haarnetz gefischt haben. Neben meinem Teller war so ein komisch krummes Messer gelegen. Ich hab es gar nicht erst genommen, sonst hätten die zum Schluss noch gesagt, ich hätte es kaputt gemacht.

Dann wollt ich vom Ober wissen, was das für 3 rote Dinger sind, die an meinem Teller kleben. Da hat er gemeint: "Das sind die Eier vom Stör". Da hab ich gesagt: "Dann richten sie dem Herrn einen schönen Gruß aus, ich täte mich schämen, solche Dinger überhaupt zu legen.

Dann kam endlich das Hauptgericht: "Argentinisches Bonsai-Mastkalb Rückensteak mit Keniaböhnchen im Speckmantel, Apfel im Schlafrock mit Sahnehäubchen" und die Soße war in Madeira.

Was für einen Aufzug, die haben mehr silberne Tiegel auf dem Tisch gehabt, wie mir zu Hause aus Aluminium im Schrank haben. Sämtliche Köche waren daneben gestanden und haben aufgepasst, dass die Dinger nicht gestohlen werden. Einer von den Kellnern hat dann feierlich den Deckel abgehoben, hat in den Hafer geschaut und hat geschrieen: "Voa La!" Das ist bestimmt Arabisch und heißt "O Gott, o Gott!"

Etwas muss nicht ganz fertig geworden sein, der hat nämlich einen Schnaps über das Ganze geschütet und den ganzen Krempel am Tisch angezündet. Zum Glück hab ich gerade noch einen Schluck Wein im Mund gehabt, mit dem hab ich dann alles löschen können.

Der Kellner hat sich geschämt. Der wollte von diesem Zeug gar nichts hergeben. Kaum hat er ein bisschen auf den Teller gelegt, hat er den Hafer wieder zugedeckt. Ich hab energisch werden müssen: "Hör einmal", hab ich sagen müssen, "entweder du schüttest jetzt den ganzen Bampf auf meinen Teller, oder ich erzähl alle Leut, dass du einen Murx gebaut hast beim Kochen!"

Was für ein Chaos auf meinem Teller! Die Bohnen haben vor lauter Hitze den Speckmantel fortgeschmissen, der Apfel hat sämtliche Sahnehäubchen abgesetzt und unter der Sahne war das Steak gelegen. Das muss Schlagsahne gewesen sein, ich hab es nämlich mit einem Schlag im Gesicht gehabt.

Dann hat es Zitronensorbet gegeben. Das ist sowas saures, halbzerlaufenes Eiskügerl. Da zieht es dir den Mund zusammen, dass man ihn bei der Rechnung nicht mehr so weit aufreissen kann.

Zum guten Schluss hätt ich mir bald den Mund verbrannt, bis ich die Wunderkerze von der Eisbombe runter geschluckt hab.

Was den feinen Leuten alles so schmeckt!

Dann ist der Ober wieder gekommen und hat auf einen silbernen Teller einen Zettel serviert. Meine Frau war die einzige, die den Zettel gegessen hat. Alle anderen haben Geld dazu gelegt, dass die den Zettel nicht essen müssen.

Beim Rausgehen hat der Ober gesagt: "Meine Herrschaften, wie wär´s denn mit der Rechnung?" Da hab ich gesagt: "Reg dich nicht auf, morgen schick ich dir das schon."

Seit dem Essen, das sag ich euch gewiss,
pfeif ich auf das ganze Gschiss!
Morgen gibt´s einen Leberkäs bei mir
und a gutes halbes Bier!