Gedanken einer Seniorin

Brunhilde Wojke

Es fiel mir auf, dass alles weiter entfernt ist als vor einigen Jahren.
Es ist sogar zweimal so weit zur Straßenecke und ein Hügel war früher auch nicht da.

Das Rennen zum Bus habe ich ganz aufgegeben, er fährt jetzt immer zu früh ab.
Die Treppen sind auch höher als in den goldenen Jahren.
Auch Bücher und Zeitschriften werden mit kleineren Buchstaben gedruckt.
Aber es hat keinen Sinn, jemand ums Vorlesen zu bitten, da jeder so leise spricht, dass man es kaum hören kann.

Zu den Kleidern wird zu wenig Stoff verwendet, besonders um die Hüfte.
Auch die angegebenen Größen fallen kleiner aus als früher.
Sogar die Menschen verändern sich, sie sind viel jünger als wir in ihrem Alter waren.
Andererseits sind die Leute unseres Alters so viel älter als wir.
Ich traf neulich eine Klassenkameradin, die war so alt, dass sie mich nicht erkannte.
Ich dachte an das arme Wesen, während ich meine Haare kämmte. Und als ich in den Spiegel sah ... wirklich, die Spiegel sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren!