Geld in der Hosentasche

Ralf Kuhnert

Liebes Geburtstagskind,

Du feierst Deinen Geburtstag heut,
drum stehen hier die Freundesleut´
Hab´ keine Angst, wir wollen nicht singen,
wir möchten Dir lieber etwas bringen.

Bald kommt für diese Feier die Rechnung,
das kostet viel Geld,
es ist ja alles so teuer auf dieser Welt.
Damit Du nicht von Deinem Mann wirst verdroschen,
helfen wir alle mit 10 Cent, früher war´s der Groschen.
(10 Cent einwerfen)

Aber in der heutigen Zeit mit starker Inflation
Sind 10 Cent eigentlich der blanke Hohn.
Diese Feier ist natürlich viel mehr wert,
durch ein Euro wirst Du viel mehr geehrt.
(1 Euro einwerfen)

Die Gäste können, da braucht keiner abzuwinken,
gut essen und noch viel mehr trinken.
Niemand kann das Geld von den Bäumen pflücken,
drum werden wir noch einen Fünfer in die Schale drücken.
(5 Euro einwerfen)

Ja, liebes Geburtstagskind, das hast Du nicht gedacht,
alle Freunde, Verwandte beisammen, den ganzen Tag.
Was sollen wir schenken? Bücher, Geräte oder Wein?
Nein, nein, lieber geben wir noch einen 10 Euro Schein.
(10 Euro einwerfen)

Du brauchst viele Sachen für Arbeit und Haus,
trotzdem fällt diese Feier nicht aus.
Wir freuen uns darüber und finden es teuro
Und helfen noch einmal mit 20 Euro.
(20 Euro einwerfen)

Du merkst es schon, wir machen uns nicht viel aus dem Geld,
hoffen aber, Du hast für uns ein Bier schon bestellt.
Jetzt reicht es auch wir geben nun Ruh
Zum Schluss legen wir noch einen 50er dazu.
(50 Euro einwerfen)

(Alle trinken ein Bier)

Aber stoppt, jetzt mal lasst uns Pause machen,
was soll das Geburtstagskind mit teuren Sachen?
Auch kleine Dinge können Freude sein,
also nehmen wir zurück den 50 Euro Schein.
(50 Euro rausnehmen)

Geburtstagskind, Du feierst zwar nicht in Bielefeld,
trotzdem kostet die Heimfahrt ´ne Menge Geld.
Es wird teuer gut nach Hause kommen,
drum rasch die 20 Euro an sich genommen.
(20 Euro rausnehmen)

Um die Feier nicht umsonst mitzuerleben,
haben die anderen Gäste ja auch was gegeben.
Drum schnell unseren 10er wieder heraus,
den verbraten wir lieber selber zu Haus.
(10 Euro rausnehmen)

Bevor uns die Wirklichkeit überrollt,
das Geburtstagskind hat die Feier doch selber gewollt.
Es muss bezahlen, und nicht wir,
zurück mit dem 5er, dafür kaufen wir Bier.
(5 Euro rausnehmen)

Worum es hier geht, hast Du schon gesehen,
wir lassen Dich ganz schön im Regen stehen.
Mach´ nicht so ein trauriges Gesicht,
weg ist der Euro, Du kriegst ihn nicht.
(1 Euro rausnehmen)

Liebes Geburtstagskind, jetzt ist es wohl genug,
es ist sowieso alles Lug und Trug.
Wir nehmen die 10 Cent, den letzten Rest,
und bedanken uns schon mal für dieses schöne Fest.
(10 Cent rausnehmen)

Ach daran wollten wir noch denken,
und haben beschlossen, Dir doch etwas zu schenken.
Wenn Dich der Alltag mal wieder auffrisst,
dann sieh diese Schale und Du vergisst uns nicht!