Gedanken eines Sechzigers

Guck i so en de Spiegel nei;
Was, der Kopf soll sechzig sei?
Kaum a Fältle an de Bäckla,
bloß oba zwoi Geheimratseckla.
Dass die Hoor a bißle weiß,
des kommt vom geischtiga Vorschleiß,
der Bart vielleicht a bißle grau,
dät i den drei Dag standa lau.
Oft hat mr au scho gschickte Zäh,
die deanter nämlich nemme weh,
dazuana sehn die ganz guat aus,
ond zum Butze nemmschsre oifach raus.
A baar Falta hats am Kraga,
weil der da Kopf sechzg Jahr lang drage.
Manche Köpf send halt au schwer,
ond andere send ewich leer.
Doch koiss von Boide macht Beschwerda:
Dui kasch mit Boide hondert werda.
Als Gegedoel von Schall ond Rauch
guckt aus dem Spiegel raus dai Bauch.
Gucksch den mol von der Seide a,
merksch erscht, was an dem wirklich dra.
Do fendsch koi Ronzel ond koi Falda,
der hat sich am beschde ghalda,
bloß ziagts den halt wie alder Plonder
mitm Alder weider nonder,
isch von de Spätzla ond vom Broda
a bissle aus de Fuaga groda.
Wie er auch sei, Dei Körperbau:
Mit sechzig därfsch a Ränzle hau!
So kascha no lang Dei Bild betrachda,
könnsch no uff des ond jenes achda.
Doch ois sollt mer au net vorgessa,
wer schafft, der hat au z‘Recht zum essa,
ond wie die Johr vorgange send,
des siehscht am beschte an de Händ!
Guck en de Spiegel ond sei froh,
d‘Hauptsach isch, Du siehschde no,
ond denk bei dera Glegeheit:
Bis siebzig send no zea Johr Zeit,
ond vielleicht fällt Dir au ei:
Sechzig muaß mer erscht mol sei!