Die Kevelaerwallfahrt

Willi Eul

Liebe Leute, glaubt mir ehrlich,
Hausfrau sein, das ist beschwerlich,
Mann und Haus und drei Blagen,
das bringt Sorgen, das bringt Plagen.

Waschen, bügeln nicht vergessen,
und jedermann will zeitlich essen.
Und dabei und nebenher,
kommt noch manchmal ein Malheur.

Es gab so viele Komplikationen,
da kriegte ich bald Depressionen.
Und in allen diesen Nöten, sagte ich mir:
„Da hilft nur Beten!“ Das wirkt sicher,
das ist wahr,
ich fahre mal nach Kevelaer.

Morgens kam ich an den Zug,
es standen da schon Leut` genug,
und an dem siebenten Gleis,
stand „ Sonderzug zum halben Preis“.
Es waren lauter jüngere Semester,
sie hatten sogar ein Klein-Orchester.

Einige hatten Strohhüte auf,
das lockerte die Wallfahrt auf.
Ich kriegte noch `nen Fensterplatz,
bei `nem dicken Mann mit `ner Glatz,
saß dann still in meiner Eck`
und packte aus meinen Rosinenweck.

Mit Freude dacht`ich unterdessen:
in Kevelaer gehste lecker essen.
Am besten schmeckt, das wissen nur wenige,
der rote Kappes bei de „3 Könige“.
Nun griff der Glatzkopf in seine Tasch`,
und holt heraus en platte Flasch`.

Tat mir damit ganz freundlich winken:
„Na! Fräulein wollen sie mit mir einen trinken?!“
Ich ließ mich da nicht lange bitten,
denk, das sind wohl neue Sitten.
Aber es waren wirklich frommen Leut`
sie sangen „ so ein schöner Tag wie heut`“
Dann habe ich mal nachgedacht,
ich hatt` schon mal `ne Wallfahrt mitgemacht.

Doch das ist schon lange her,
genau weiß ich das nicht mehr.
Ganz blass ist die Erinnerung,
da war ich ja auch noch sehr jung.
Wir sangen da eine Litanei,
auch ein Pater war dabei.

Das hat sich geändert ganz enorm,
das nennt man sicher Liturgiereform.
Doch ich füge mich dann fein,
in diese neue Ordnung ein.


Ja sie hatten alles da,
sogar ein Fass Rhenenia,
ich hatte mich noch nicht ausgewundert,
waren sie alle schon auf Hundert,
taten das Abteil verdunkeln,
und fingen feste an zu schunkeln.
Das war früher nicht modern,
doch ich hatte es richtig gern.

Dann aber kam der Clou vom Ganzen,
bei dieser Wallfahrt tat man tanzen.
Erst fing es ganz langsam an,
„ Kreuzberger Nächte, die sind lang,
und nachher, das kannte ich schon,
kam der „ River of Babylon“,
und als „Spitze“ sang man dann,
den neuen Song von „Dschingis Khan“.

Ich hatte nur noch eins im Sinn
“Oh, Maria Helferin“
Darauf ging es bei mir sehr schnell,
ich machte das Abteil mal hell.
Ziemlich tief war ich schon gesunken,
hatte mehrmals „Brüderschaft“ getrunken.

Ich guck` nach draußen und werde blaß,
rundherum war alles naß.
„Kinder“ rief ich ohne Hemmung,
wir haben ja `ne Überschwemmung.
Jetzt wird es aber Zeit zum Beten,
die Niers ist über die Ufer getreten.
Da sagte jemand, das ist verkehrt,
was Du da siehst ist Nonnenwerth!

Da kam ich erst dahinter,
denn eben las ich Königswinter.
Es ging mir dann auch langsam ein,
das große Wasser war der Rhein.
Und endlich wurde mir dann klar,
dass das gar keine Wallfahrt war.

Es konnte nur daran liegen,
ich war in den „Klingenden Rheinländer“ gestiegen.
Jetzt dachte ich, laß man alles sausen,
denn wir waren schon in Assmannshausen.
Es machte mir schon riesigen Spaß,
denn schon zogen wir in die Drosselgaß`.

Und hier wurd` einer darauf gemacht,
dass einem das Herz im Leibe lacht.
Der edle Saft floß in Strömen,
gar macher verlor die Ballance und das Benehmen.
Und schließlich, das war unser Glück,
um 8 Uhr fuhr der Zug zurück.

Wir stiegen in einen Zug herein,
dran hing ein Schild „ Nach Köln am Rhein“
Von Kevelaer hab` ich vorerst genug,
ich steig vielleicht wieder in den falschen Zug.
Trotzdem, die Fahrt, die tat sich lohnen,
ich weiß nichts mehr von Depressionen.
Die erstickten wir im Keim,
in der Drosselgaß in Rüdesheim.