Alte Schachtel

Armin Ziegler

Maria, du „Alte Schachtel“, wir freuen uns, dir mitteilen zu können, dass nunmehr auch für dich der Tag gekommen ist, an dem du in den Club der alten Schachteln aufgenommen wirst.

„ Alte Schachtel“, du hast lange auf diesen Tag warten müssen. Nachdem wir uns über einen längeren Zeitraum deine Lebensgewohnheiten, dein Verhalten gegenüber deinen Mitmenschen, die Wahrnehmung deiner Pflichten beim Deichmann, dein Auftreten im Kreise deiner Familie und vor allem deinen Umgang mit anderen „Alten Schachteln“ sehr kritisch beobachtet haben, sind wir einstimmig zu dem Urteil gekommen, dass du eine typische „Alte Schachtel“ bist.

„ Alte Schachtel“ zu sein, heißt nicht die Hände in den Schoß zu legen! Achte vielmehr darauf, dass dein Auftreten in der Öffentlichkeit stets so ist, dass man dich sofort als „Alte Schachtel“ erkennt.

Durch die Aufnahme in diesen Club bist du berechtigt ab sofort, gut sichtbar, diesen Orden zu tragen.

„ Alte Schachtel“, trägst du dieses Abzeichen so hast du eine Unmenge an Privilegien.

Immer dann, wenn du einem Politiker- insbesondere einem Fraktionsvorsitzenden- die Hand gibst, muss dieser artig einen Knicks machen und dir ehrfurchtsvoll und schmatzend die Hand küssen und für alle einvernehmlich laut und deutlich sagen: „Küß die Hand du Alte Schachtel!“

Beim Deichmann ist es dir ab sofort gestattet, um deinen Hals ein Schild mit folgender Aufschrift zu tragen: „Hier bedient Sie die „Alte Schachtel“ Maria Jochum“.

„ Alte Schachtel“, es ist dir außerdem gestattet, deine Unterschriften mit dem Zusatz „Alte Schachtel“ zu ergänzen. Der Empfänger einer solchen Nachricht ist dann verpflichtet, sich für 3 Sekunden von seinem Platz zu erheben und voller Ergriffenheit in Gedanken an dich zu verharren und dann zu hauchen: „Ach ja, die gute „Alte Schachtel“ Maria.“

Bei deinem Anblick haben alle Mitglieder des Kegelclubs 12 Apostel sich von ihren Stühlen zu erheben und gemeinsam im Chor laut und deutlich zu sagen:

Liebe Maria,

verehrte „Alte Schachtel“,

wir versprechen dir hoch und feierlich,

deinen reizenden Ehemann Peter

bei unseren Kegelabenden,

nicht mehr zum Saufen zu überreden.

„ Alte Schachtel“, in deiner Eigenschaft als Clubmitglied ist es dir nicht mehr zuzumuten, im Haus, Keller oder Garten niedere Dienste irgendwelcher Art zu verrichten.

Dir dürfen nur übergeordnete Tätigkeiten übertragen werden.

Wenn du unser Ehrenabzeichen trägst, ist es deinem Mann auferlegt, dir unaufgefordert die Pantoffel zu bringen, vor dir niederzuknien und dir beim Anziehen dieses Schuhwerks freundlich und zuvorkommend zu helfen.

Am Frühstückstisch hat er dir unaufgefordert die Zeitung zu reichen.

Beim Verlassen deines Hauses hat dein Ehemann Peter dir Geldmittel jeglicher Währung in ausreichender Höhe zur Verfügung zu stellen.

Steigst du des Abends mit diesem schmucken Orden ins Bett, ist es deinem Ehemann strengstens untersagt, dich mit den Worten zurückzuweisen: „Dreh dich doch endlich um und schlaf, du alte Schachtel, ich muss morgen früh um 4 Uhr aufstehen.

Zuwiderhandlungen seinerseits kannst du anzeigen. Die Tat wird dann von dem Ältestenrat der alten Schachteln verhandelt und das Strafmaß nach der Alten- Schachtel Verordnung festgelegt.

„ Alte Schachtel!“

Denke immer daran, „Alte Schachtel“ zu sein ist ehrenvoll und etwas sehr schönes.

Bemühe dich also um ein vorbildliches Verhalten in der Öffentlichkeit, damit du mit 60 bedenkenlos den Titel „Uralte Schachtel“ erhalten kannst.

Erhalte dir auch deine Gesundheit, um eines Tages auch noch den Titel „Steinalte Schachtel“ zu erhalten.

„ Alte Schachtel“, feiere dieses Fest also nicht in erster Linie wegen der Vollendung deines 50. Lebensjahres, sondern vielmehr und insbesondere als Ehrentag wegen der Aufnahme in den „Club der Alten Schachteln“.

Lasst uns nun das Glas erheben und gemeinsam auf unsere „Alte Schachtel“ Maria anstoßen.

Unsere „Alte Schachtel“ Maria, sie lebe hoch, hoch, hoch!

Gezeichnet

Armin Ziegler

Club der „Alten Säcke“ und

Schriftführer der „Alten Schachteln“

Mangelhausen den 26.12.2007