Bohnenesser oder Kirchgänger

Willi Eul

Ich habe einmal Bohnen gegessen
und zwei Stunden auf dem Häuschen gesessen.
Ich habe gedrückt, wie ich nur kunnte,
aber nichts tat sich in zwei vollen Stunden.
Dann ging ich um halb acht, zur Kirche in die Maiandacht
Gebetet für eine gute Ernte und dass es sich lohne,
ich denk natürlich an meine Bohnen.
Der Priester predigt vom jüngsten Gericht,
der Angstschweiß steigt mir ins Gesicht.
Von Heulen, von Zähnen und vom Knirschen,
die Bohnen fangen an, sich an den Ausgang zu pirschen.
Von Höllenqualen und Teufelsgestank,
ich denk, das ist die Idee, Mensch, Gott sei Dank.
Ich tat nach rechts und links mal linsen,
da ging der Erste schon, mir direkt durch die Binsen.
Den Zweiten hatte ich noch unter Kontrolle,
Aber der Dritte ging direkt in die Volle.
So drei bis fünf sind mir heimlich entwischt,
ich sehe, auf einmal werden meine Nachbarn aschfahl im Gesicht.
Vorsichtig schaue ich in der Kirche herum.
Einer nach dem anderen fällt ohnmächtig um.
Auf der einen Seite nimmt eine Frau Parfüm,
ich denke, du fällst auch noch hin.
Im Mai steht am Altar ein großer Strauß Flieder,
eine Oma sagt: was stinkt der heuer wieder.
Die letzten Worte konnte sie nur noch lallen,
dann ist sie kopfüber in die Kniebank gefallen.
Der Priester sagt: was ist denn heute bloß?
Einer ruft: Die Hölle ist hier los.
Dann hab ich einmal ganz kurz genossen,
und dann meinen Hintermann abgeschossen.
Der Priester wird stutzig, er zeigt sich immun,
er sagt: der Mief hat doch nichts mit meiner Predigt zu tun.
Und wie da einer aus der Kirche heraus rennt,
meint der Priester, so hab ich das doch nicht gemennt.
Der Küster tut aus der Sakristei herausrasen,
ich hatte nämlich das ewige Licht ausgeblasen.
Der Küster ist aber nur bis zum Altar gekommen,
er schnuppert die Luft, und wackelt benommen.
Fängt an zu kippen und sucht nach Halt,
eine meiner besten Bohnen erwischt ihn bald.
Ich schaue mich um, sehe voller Entrüstung,
da hängt der Organist auch schon über der Brüstung.
Ganz hinten ertönt ein erbärmlicher Gesang:
Am 30. Mai ist der Weltuntergang.
Die Moral von diesem schönen Gedicht: Achtet stets auf euer 2. Gesicht
Hast du gegessen weiße, dicke Bohnen
Mach um die Kirch einen großen Bogen