Der Schleiertanz

(vorlesen und dabei Braut Haube aufsetzen und Bräutigam
Zipfelmütze aufsetzen und Pfeife geben)

Wohlan, es schlägt die letzte Stunde
Des großen Tages eurer Wahl.
Als Braut und Bräutigam umschlungen
sitzt ihr noch da ` zum letzten Mal.

Es ist ein Höhepunkt der Jugend.
Schaut noch einmal auf sie zurück.
Denn aus der Blüte eurer Tugend
erwächst euch nun das Lebensglück.

Doch jetzt erlaub mir diese Worte:
an dich, du wunderschöne Braut:
Du scheidest heut von diesem Orte,
wo du manch Luftschloß hast erbaut.

Du wirst noch denken jener Stunden
und der vergang'nen Jugendzeit
und vieler Träume deiner Jugend.
Vielleicht sind sie jetzt Wirklichkeit?

Leg ab den Kranz, der dich heut schmückte,
die Blüten der Vergänglichkeit
und nimm als letzten Gruß die Häubchen.
Es schmeichelt deiner Weiblichkeit!

Nun bist du Frau ` und all dein Wollen
gehört dem Manne deiner Wahl.
Du mögest friedlich mit ihm leben
durch vieler Jahre Berg und Tal.

Die Feier nimmt den schnellen Lauf,
Herr Bräutigam, jetzt auch zu dir:
Setz du nun diese Mütze auf,
es ist des Mannes höchste Zier.

Es ist das Zeichen jenes Mannes,
der nicht mehr ans Poussieren denkt.
Stets seiner Frau beweist: Ich kann es!
Und früh die Schritte heimwärts lenkt.

Drum fliehe der Verführer Chor
und zünde dir dies Pfeifchen an
und zieh die Mütze übers Ohr `
jetzt bist du ein richtiger Ehemann.

Wohlan, könnt ihr nach fünfzig Jahren
Zurück auf diese Stunde sehn,
dann habt ihr es bereits erfahren:
Was wir euch wünschten, ist geschehn!