Weihnachtszeit - besinnliche Zeit: Weihnachtsgedicht über den einsamen Wächter

Gerd Manzel, 1951

Weihnacht

Straßen sind einsam und verlassen,
Weihnachtslieder schallen durch die Gassen.
Der Wächter träumt einen süßen Traum,
wie er stand als Kind unterm Weihnachtsbaum.

So geht er weiter, leicht bedrückt
und wünscht sich zurück ins Kinderglück.
Er steht hinterm Fenster und schaut hinein
und sieht dort fröhlich die Großen und Kleinen.
Die Kinder spielen mit ihren Weihnachtssachen,
ja, da soll das Herz wohl lachen.
Doch soll auch er heut glücklich sein,
---da plötzlich hört er jemanden schrei’n :

„Herr Wächter, Herr Wächter, kommen Sie her!“
---Zwei kleine Kinder freuen sich sehr.
Er wird in die warme Stube gebracht,
wo die Frau es ihm gemütlich gemacht.

Die Mutter bringt ihm Kuchen und Wein,
er ißt und trinkt es beim Kerzenschein.
Es kommt ihm wie im Traume vor,
die beiden Kinder sprechen im Chor:

„Herr Wächter, Ihr seid immer so allein,
auch im nächsten Jahr sollt Ihr willkommen sein!“