An die "Unsterblich Geliebte" - ewig Dein, ewig mein, ewig uns

Ludwig van Beethoven

Schon im Bette drangen sich die Ideen zu Dir, meine Unsterbliche Geliebte, hier und da freudig, dann wieder traurig, vom Schicksale abwartend, ob es uns gehört – leben kann ich entweder nur ganz mit Dir oder gar nicht, ja, ich habe beschlossen, in der Ferne so lange herumzuirren, bis ich in Deine Arme fliegen kann und mich ganz heimatlich bei Dir nennen kann, meine Seele von dir umgeben ins Reich der Geister schicken kann – ja leider muss es sein, Du wirst dich fassen umso mehr, da du meine Treue gegen Dich kennst, nie eine andre kann mein Herz besitzen, nie – nie … o Gott warum sich entfernen müssen, was man so liebt, und doch ist mein Leben in W., so wie jetzt, ein kümmerliches Leben. – Deine Liebe macht mich zum Glücklichsten und Unglücklichsten zugleich – in meinen Jahren jetzt bedürfte ich einiger Einförmigkeit, Gleichheit des Lebens – kann diese bei unsrem Verhältnisse bestehn? – Engel, sei ruhig, nur durch ruhiges Beschauen unsres Daseins können wir unsern Zweck, zusammen zu leben, erreichen– sei ruhig – liebe mich – heute – gestern – welche Sehnsucht mit Tränen nach Dir – Dir – Dir mein Leben – mein Alles – leb wohl – o liebe mich fort. Verkenne nie das treuste Herz Deines Geliebten

ewig Dein
ewig mein
ewig uns.

(Ludwig van Beethoven)