Unser Haus

Wilhelm Dinauer

Wir besitzen ein viereckiges Haus und rundum ist Rasen. In unserem Haus gibt es einen Haufen Zimmer und jedes hat einen anderen Namen und in jedem steht etwas anderes.

Im Wohnzimmer steht der Fernseh, in der Küche steht meine Mutter, im Heizungskeller steht das Öl, weil der Tank ein Loch hat und auf der Terrasse steht mein Vater und raucht eine, weil er drin nicht darf. In meinem Zimmer stehen 62 Dinosaurier aus Gummi und im Zimmer von meiner großen Schwester steht meine große Schwester und flennt, weil sie meint, dass sie keinen kriegt. Mein Vater sagt, sie soll sich nicht so haben, weil sie ist erst 16 und irgendein Depp findet sich immer, den kriegt sie dann. Sogar meine Mutter hat einen gekriegt.
Wir haben im Haus auch noch ein Schlafzimmer. Da steht seit drei Jahren die Uhr, weil sie kaputt ist und ein doppeltes Bett. In dem liegen mein Vater und meine Mutter die ganze Nacht herum.
Daneben ist das Bockzimmer. In dem steht eine Nähmaschine. Eigentlich heißt das Zimmer Nähzimmer, aber wir sagen Bockzimmer, weil meine Mutter immer da hineingeht, wenn sie bockt. Dann näht sie, bis ihr das Bocken zu blöd wird. Einmal hat sie solange gebockt, bis zwei neue Hosen für mich fertig waren.
Mein Vater hat kein eigenes Bockzimmer. Er muß in der Garage bocken. Dann ölt er den Ra-senmäher, bis er tropft oder er wäscht das Auto. Jetzt hat er schon vier Wochen nicht mehr gebockt und unser Auto schaut aus wie die Sau.
Unter dem Haus ist der Keller.. Dort steht die Gefriertruhe und die Erdäpflkiste und ein alter Schrank. In dem Schrank ist das drin, was man gerade nicht unbedingt braucht; im Winter meine Spielsachen für den Sandkasten und im Sommer dem Papa seine wollernen Unterhosen.
In die Gefriertruhe tut man die Sachen hinein, die wo man lange aufheben will. Wie meine Schildkröte Paul verstorben ist, habe ich sie hineingetan und zwar zwischen die Gockerl und die Bommfritz, damit ich sie jeden Tag anschauen kann. Meine Mutter hat am nächsten Tag einen Rahmspinat aus der Gefriertruhe geholt und sie ist sehr erschrocken, wie sie den Paul sah und er war total hirt. Sie hat gesagt, dass ich ein elendiger Hunzkrippl bin und dass sie mit mir noch ganz narrisch wird. Dann hat sie den armen hirten Paul im Garten neben der Hollerstaude eingegraben und alles, was in der Gefriertruhe war, hat sie weggeworfen, weil ihr grauste. Das hätte es gar nicht gebraucht, weil ich den Paul, gleich wie er tot war, im Spülbecken in der Küche mit dem Geschirrtuch sauber gewaschen habe, damit keine Bazüllen dran sind.
Ganz oben im Haus ist das wichtigste Zimmer. Das heißt Bad und in der Frühe wollen alle hinein.
Zuerst darf die Mutter, weil erstens sie der Chef ist und zweitens muß sie danach das Frühs-tück machen. Dann darf meine große Schwester und da gibt es jeden Tag einen Zirkus, weil sie so lange braucht. Sie schmiert sich das Gesicht voll, auch wenn gar nicht Fasching ist. Wenn sie ungefähr zehn Minuten drin ist, pumpert mein Vater an die Tür und sagt, dass er muß. Meine Schwester sagt "gleich" und schmiert weiter. Fünf Minuten später pumpert mein Vater wieder und sagt, dass er dringend muß, und er ist schon ein bißchen käsig. Meine Schwester sagt wieder "gleich" und schmiert wieder weiter. Nochmal nach fünf Minuten schwitzt er schon und pumpert wieder und sagt, dass es ihn gleich zerreißt und wenn sie nicht sofort herauskommt, haut er die Badtüre ein, da kennt er nichts. Meine Schwester sagt dann: "Hau sie doch ein, dann mußt du eine neue kaufen!" Das stimmt und er haut sie nicht ein. Er sagt, dann geht er in den Garten neben den Rhabarber und läßt die Hose herunter und blamiert die ganze Familie. Das tut er aber dann doch nicht und fünf Minuten später darf er ins Bad hinein und dort die Hose herunterlassen.
Obwohl meine Schwester mit dem Schmieren fertig ist, schaut sie genauso greislich aus wie vorher und dass sie keinen kriegt, ist kein Wunder. Wenn mein Vater fertig ist, ist er gutgelaunt und pfeift Rosamunde und das Bad ist frei, weil ich muß immer erst nach dem Frühstück bieseln, ungefähr um neine.
Wir haben noch ein Zimmer im Haus, das ist noch kleiner als das Bad und hat den Namen Speis. Da wohnt kein Mensch. Die Speis ist für die Sachen, die wo man zum Leben unbedingt braucht, zum Beispiel Essiggurkerln, Tschipps und Klopapier. Von allen Sachen ist mehr da, wie man eigentlich braucht. Meine Mutter sagt, das ist ein Vorrat, weil wenn es zwei Meter schneibt und keine Sau kann mehr heraus oder hinein, dann müßte man ohne Vorrat verhungern.
In der Speis liegen allerhand Vorräte herum: Drei Bixn Bratheringe, eine Stange Zigarettn, zwei Gebäckmischungen, sieben Beutel Nudeln vom Aldi und einer vom Bernbacher, falls Besuch kommt. Weil meine Mutter sagt, wenn ein Besuch kommt, dann muß man nobel tun.
Mir gefällt es in unserem Haus recht gut. Aber das allerliebste Zimmer ist mir der Dachboden, weil der so schön dreckig ist. Wenn ich einmal groß bin, baue ich kein Haus, weil es mir zu teuer ist, sondern bloß einen drumm Dachboden.