Gedanken zur silbernen Hochzeit

Helmut Schreiber

 

Nach 25 Ehejahren,
nach dieser furchtbar langen Zeit,
ist Euch manches widerfahren
was es so gibt an Freud und Leid.

Für mich war das ein guter Grund,
gedanklich einmal zu erkennen,
wo begraben liegt der Hund
bei dem, was wir "die Ehe" nennen.

Die Ehe ist ein seltsam Ding,
und jeder jagt ihr hinterher
doch wer dies Sakrament empfing,
den hört man bald nicht mehr.

Wer auf diese Art und Weise
mundtot wurde einst gemacht
der ist seit dem ganz stumm und leise,
auch wenn er früher viel gelacht.

Ein Junggeselle sagt sich immer,
wenn er mit sich alleine spricht,
abends einsam in dem Zimmer:
Nein - alleine geht es nicht.

Schöner wär es doch gemeinsam
mit einem lieben netten Weib,
denn Ehemänner sind nie einsam,
die Frau sorgt schon für Zeitvertreib.

So kommt man früher oder später
von ganz allein auf die Idee:
Die Ehe ist wie ein Elf-Meter
doch Eigentore tuen weh.

Was Ehefrauen so erfinden,
damit des Mannes Denk-Organ
sich nur ja nicht so muss schinden
das fängt schon früh am Morgen an.

Sie schickt ihn schon in aller Frühe,
ihren lieben, braven Mann,
zur Arbeit, oh welch eine Mühe.
- So kurbelt sie die Wirtschaft an.

Schon durch den Euro konnt man lernen,
dass man, als man ihn bekam,
euphorisch unter Europas Sternen,
uns die geliebte D-Mark nahm.

Ähnlich ist es in der Ehe,
hast Du 2 dann nimmt man Dir
trotz Deinem lauten ACH und WEHE
eine weg - Datt is von mir...

Es hilft kein klagen und kein weinen
und mancher hat sich schon beschwert,
denn ob bei Münzen oder Scheinen,
sie sind nur noch die Hälfte wert.

Doch soll man auch den Vorteil nennen,
den eine Ehe mit sich bringt.
Und bei vielen, die wir kennen,
sieht man auch wie das gelingt

Manchen seh ich, der durch Liebe
seine Körperform erhält
und heimlich hofft, dass es so bliebe,
denn so ein Bauch - der kostet Geld.

Gern sagt man: Der ist gut im Futter.
Doch der Schein ist trügerisch,
denn gutes Essen wie bei Mutter
ist für den Mann verführerisch.

Die Frau ist stets darauf bedacht,
dass der Mann auch bleibt ihr treu
und dass er keinen Unsinn macht.
Solche Sprüche sind nicht neu.

Und die Moral von dem Gedicht:
Manche Frauen sagen auch:
Nein - Sorgen mache ich mir nicht !
Wer will ihn denn - mit diesem Bauch ?

So kann ein Mann durch gutes Essen,
das er von seiner Frau erhielt,
den Seitensprung getrost vergessen.
Anstatt zu springen wird geschielt.

Vom schielen leiden die Pupillen,
von dem so geplagte Mann,
doch Eitelkeit - um Gottes Willen -
die Brille zieht er ja nicht an.

Ein Streitpunkt ist in jeder Ehe,
dass, wenn der Mann sein Wasser lässt,
dann ruft die Frau sogleich oh wehe,
der Brillenrand kriegt ab den Rest.

In Anbetracht dieser restlichen Tropfen,
die ärgern alle Frauen sehr,
da ist verloren Malz und Hopfen,
denn ändern kann man ihn nicht mehr.

Die Silberhochzeit ist der Lohn
für 25 Jahre Pflicht.
Was man hat, das weiß man schon,
doch was man kriegt, das weiß man nicht.

Drum nimmt man einfach jeden Tag,
egal, was er auch bringt.
Mal ist es so, wie man es mag
und hofft, dass es gelingt.

Und wenn's mal nicht gelingen sollt',
und schlägt's mal auf den Magen,
man hat es anders nicht gewollt:
"In guten wie in schlechten Tagen."

Verfolgt von diesem einen Satz
muss man die Tage fristen.
Sagt einfach zueinander: Schatz -
wir sind doch Optimisten !

Die 25 sind geschafft,
das war schon reichlich viel.
Doch nun heißt's wieder: Aufgerafft,
die Goldene Hochzeit ist das Ziel.

Wir wünschen Euch an diesem Tage,
dass Euch die Liebe nie verlässt
und dass der Alltag Euch nie plage
und Ihr einander nie vergesst.

Glücklich ist, wer so besticht,
nach alter Tradition.
Gepflegte Liebe rostet nicht,
braucht keine Inspektion.

Genug der Worte, die ich schrieb,
als mich die Muse küsste.
Habt Euch einfach weiter lieb
und bewahrt Euch die Gelüste.

Nun bleibt nur eines noch zu sagen:
Lasst uns das Glas erheben
und gemeinsam uns das Sprüchlein wagen
und rufen: HOCH SOLLT IHR LEBEN !!!