Stille Gedanken

Reinhart Anger

Am Abend mildert sich des Tages helles Licht und es wird still.
Du siehst der Sonne Rot verglühn am fernen Horizont
Und schaust hinab zum dunklen Tief des Meeres,
Wo leise rauscht der sanften Wellen wechselnde Gestalt.
Das letzte Schiff kehrt heim ins weite Rund des Hafens,
Und leis' vom Meer herüber kommt die Nacht.

Warum nur, ihr Götter, so fragen beharrlich wir Sterbende,
Schenkt ihr uns Menschen nur zeitliches Glück?
Warum ist in jedem frohen Beginn der sichere Abschied begründet
Und irdisches Glück stets vergänglich?
Ihr schenkt uns frohe Stunden an hellichten Tagen
Und nehmt uns im Abschied der Freunde besondere Gunst.

Du fragst und bist allein - und niemand gibt dir Antwort,
doch über dir - das Firmament und seine Sterne.