Zeit des Abschieds

Hatte immer gedacht, hoffentlich gibt es die Zeit des Abschieds nicht, nicht für uns. Wünschte mir, dass Du auf uns wartest, wie unrealistisch und egoistisch, Dich nicht gehen zu lassen, aber wie sehr liebte und liebe ich Dich. Mein Herz ist schwer, es ist als würde es zerreißen. Wie gern hätte ich Dich nochmal gedrückt, geküsst, und einfach festgehalten. Du bist immer schwächer geworden. Da ist der Gedanke an unser letztes Wiedersehen, an diesem Morgen, als ich Dich gewaschen und gekämmt habe. Du hast das Kämmen genossen, wir tranken Kaffee, so schnell hast Du ihn leer gehabt, Du hast gefragt: „Gibt es noch einen?“ Leider nicht. Ich streichelte Deine Hand, sie war kalt, aber es war noch Leben drin. Hätte ich gewusst, dass Du gehen willst, Deine Hand hätte ich nicht mehr losgelassen. Nun musste ich los. Ich sagte Dir in einer Umarmung: „Ich liebe Dich!“ Mit trauriger Stimme antwortetest Du: „Ich weiß, ich Dich auch.“ Hast Du geahnt, dass Dein Leben am Ende ist? Ich weiß es nicht… Meine Gefühle, ein pures Chaos seitdem Mama mir sagte, dass Du eingeschlafen bist. Ich kann nicht beschreiben, wie sehr Du mir fehlst. Noch schlimmer geht es bestimmt Mama. Ich denke, sie zeigt es mir nicht, aber ich weiß es auch so. Sie sagte, Du hast so friedlich ausgesehen, als sie Abschied von Dir nahm. Ich hätte gern noch Abschied genommen, es quält mich so… Ich suche und suche nach Dir, finde Dich aber nicht, Du bist gegangen. Ich liebe Dich unendlich. Ich vermisse Dich. Am liebsten wäre ich bei Dir, aber ich weiß, jeder hat seine Zeit, bis sich der Kreis schließt. Bis dahin liegt das Tuch der Trauer auf meiner Seele, werde die vielen schönen Erinnerungen in meinem Herzen tragen, werde an Dich denken, wenn der Wind meine Haut streift, wenn die Sonne mich wärmt, die Sterne mir in der Nacht leuchten, wenn der Regen und der Schnee meine Tränen verdecken. Du bist überall und lebst in mir weiter. In tiefer Trauer und Liebe zu Dir Oma Reni und dem Gedanken an Opa Franz. Deine Anja und Familie