Hektisches Treiben

Sabine Scherer

Im Himmel herrschte reges Treiben, stand doch Weihnachten vor der Tür. Wünsche hier, Wünsche da. Jedes Menschenkind sollte zufriedengestellt werden. Nur Felix saß auf seiner Wolke Nr. 22 und langweilte sich fürchterlich. Er hatte sich dieses Jahr erhofft, endlich ein Weihnachtsengel zu werden, wartet er doch schon so lange auf diese Arbeit. Bis jetzt hat ihn aber der Personalchef „Weihnachtsmann“ noch nicht zu sich gerufen. Einen Job bei dem Weihnachtszustelldienst zu bekommen war langwierig und fast aussichtslos. Felix hatte sich zwar mit eingehendem Bewerbertraining in der Engelschule darauf vorbereitet, aber die Warteliste war lang.

„Felix von Wolke 22, bitte zum Weihnachtsmann“, ertönte es aus den himmlischen Lautsprechern. Hurtig macht sich Felix auf den Weg. Nun steht er mit klopfendem Herzen vor der großen Tür. „Komm nur herein“, hört er den Weihnachtsmann mit seiner tiefen, sonoren Stimme sagen. Schon öffnet er die Tür und Felix sieht ihn an seinem Schreibtisch sitzen. „Du bist dran, Felix. Ich habe einen besonderen Auftrag für dich. Flieg zu Marie. Was Marie sich wünscht, konnte bisher nicht festgestellt werden. Kläre das ab, frag sie selbst und trödle nicht rum. Morgen ist Weihnachten“, brummte der Weihnachtsmann gestresst in seinen weißen Bart.
„Wo soll ich denn hinfliegen, wie finde ich Marie?“, fragte Felix mit vor Aufregung zitternder Stimme. „Komm mit mir, sagte das Christkind, ich gebe dir einen Erdenplan. Dort habe ich dir das Haus angekreuzt, in dem Marie wohnt.“

Als Felix bei Marie ankommt, sitzt sie am Bett ihrer Mami, die ihn mit fiebrigen Augen ansieht. „Marie, was kann ich für dich tun? Eine Barbiepuppe, eine Wii oder ein Handy?“ Marie sieht ihn mit großen Augen an. „Ich warte schon ein paar Tage auf dich. Ich habe jeden Tag gebetet, dass du vorbeikommst, aber nichts ist passiert.“ Felix murmelt etwas verlegen was von Hauptsaison, Verwaltungskram und Weihnachtsstress.
„Aber jetzt bist du ja da“, sagte Marie mit strahlenden Augen. „Bitte, bitte erfülle mir meinen Wunsch und mache meine Mami wieder gesund, damit wir zusammen Weihnachten feiern können. Sie ist doch schon seit ein paar Tagen so erkältet und fiebrig und es geht ihr gar nicht gut.“ Dabei schaut sie Felix flehend an.

Er lächelt und streichelt Marie über das Haar. „Dann wollen wir mal ganz schnell deine Mami gesund machen.“ Er legt seine Hände auf Kopf und Stirn der Mutter und lässt deren heilende Wirkung strömen. Auch fühlt er die Liebe von Maries kleinem Herzen und gab auch dieses weiter. „Vielen Dank“, flüstert die Mutter schwach und leise. Ihre Stirn war schon wesentlich kühler. „Vielen Dank“, sagt Marie und legt den Kopf auf die Brust der Mutter, deren Hand Marie sanft liebkoste.

„Weihnachten, das Fest der Liebe existiert doch noch für einige Menschen und ich bin ein Teil davon, ein richtiger Weihnachtsengel“, freut sich Felix und wischt sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. Dann zwinkert er Marie zu und legt ihr noch eine Barbiepuppe in den Arm, bevor er sich wieder auf den Heimweg macht.