Wenn Papa an Weihnachten arbeitet

Der Papa von Alexander ist Busfahrer. Jeden Tag fährt er den Bus durch die Straßen der großen Stadt. Natürlich müssen die Busse auch an Weihnachten fahren. Gerade dann möchten viele Menschen ihre Familien besuchen und fahren mit dem Bus dorthin.

Normalerweise muss Alexanders Vater an Weihnachten nicht arbeiten. Aber dieses Jahr ist ein Kollege von ihm krank geworden und so muss er doch zum Dienst.

Es ist Heiligabend. Hinter allen Fenstern leuchten die Weihnachtsbäume mit ihren vielen Kerzen. Nur bei Alexander zu Hause brennen die Kerzen noch nicht. Weil der Vater nicht zu Hause ist, haben sie das Feiern auf den nächsten Tag verschoben.

"Mama, mir ist so langweilig" , sagt der kleine Alexander. "Kommt denn der Papa bald?" "Nein, Alexander, heute muss der Papa arbeiten", antwortet die Mutter. "Deshalb feiern wir ja auch morgen alle zusammen Weihnachten."

Alexanders Schwester Beate erzählt, dass die Mutter ihrer Freundin Miriam auch an Weihnachten arbeiten muss. Miriams Mutter ist Ärztin und weil auch an Weihnachten viele Menschen im Krankenhaus liegen, müssen auch die Ärzte und Krankenpfleger arbeiten.

Gelangweilt guckt Alexander aus dem Fenster. Draußen wird es schon langsam dunkel. Er denkt an seine Freunde, die jetzt alle zu Hause Weihnachten feiern und ihre Geschenke auspacken können. "Ich krieg meine Geschenke erst morgen", denkt er traurig. " Und der Papa? Dem ist doch bestimmt auch langweilig, so ganz allein ohne uns ..."

Als Alexander noch eine Weile darüber nachdenkt, kommt ihm auf einmal eine Idee. "Mama?" fragt er. "Können wir den Papa denn nicht besuchen?" "Ach ja bitte, Mama!" sagt jetzt auch Beate. "Wir können ja ein paar Plätzchen mitnehmen und den Weihnachtspunsch und ein bisschen im Bus mitfahren" , fügt sie hinzu.

Die Mama guckt erst erstaunt, dann überlegt sie kurz und lächelt. " Das ist eine gute Idee", sagt sie," ich erkundige mich mal, auf welcher Linie er heute fährt." In der Zentrale erfährt sie, dass Alexanders Vater heute die Strecke fährt, die ganz nah an ihrem Haus vorbeiführt.

Schnell packen sie ein paar Lebkuchen, eine Kanne mit heißem Punsch aus Tee und Saft, einen kleinen Tannenzweig mit einer Kerze und einer Kugel in eine Tasche. Dann ziehen sie ihre warmen Mäntel, die dicken Mützen und die Winterstiefel an und marschieren los.

Als Alexanders Vater in die Straße einbiegt, wo er zu Hause ist, denkt er an seine Familie, die auf ihn wartet, weil sie ohne ihn nicht Weihnachten feiern will. Dann fährt er die nächste Bushaltestelle an. Als er näher kommt, und die Busscheinwerfer auf die kleine Gruppe fallen, die an der Haltestelle steht, kriegt er ganz große Augen.

"Das gibt's doch gar nicht!" ruft er begeistert. Dann öffnet er die Türen und stürmt nach draußen. "Wie kommt ihr denn hierher? Das ist ja eine tolle Überraschung!" "Wir wollten dich besuchen und mit dir Weihnachten feiern , Papa", sagt Alexander und freut sich.

"Das ist aber eine gute Idee, steigt nur schnell ein, es ist kalt draußen!" Drinnen sagt Beate: "Wir haben dir auch Plätzchen und Punsch mitgebracht und einen kleinen Zweig für deinen Bus. Damit du nicht vergißt, das Weihnachten ist." "Hm, damit müssen wir leider warten, bis wir an der Endhaltestelle sind", sagt der Vater, "aber wir sind ja gleich da."

Alexander, Beate und die Mutter sind die einzigen Fahrgäste, die die zwei Stationen bis zur Endhaltestelle noch mitfahren. Dort hat der Vater eine kurze Pause. Sie schenken den Punsch in die mitgebrachten Tassen und legen die Lebkuchen auf rote Servietten. Der Tannenzweig mit Kugel und Kerze kommt in die Mitte und so feiern sie ein kleines Weihnachtsfest. "Fröhliche Weihnachten, Papa!" sagt Alexander noch, da müssen sie auch schon wieder alles einpacken.

Die Pause ist vorbei und mit dem Bus geht es in eine neue Runde. Alexander, Beate und ihre Mutter fahren natürlich mit. Den kleinen Tannenzweig mit der Kugel haben sie in den Bus gehängt. Damit es auch ein bisschen nach Weihnachten aussieht. An der nächsten Station steigt ein Vater mit seiner Tochter ein.

"Miriam!" ruft Beate begeistert und läuft zu ihr. "Was machst du denn da?" "Meine Mama arbeitet heute und wir wollen sie überraschen", sagt Miriam. "Wir haben uns auch schon etwas Tolles ausgedacht. Im Krankenhaus gibt es ein Wartezimmer für Leute, die plötzlich krank geworden sind. Dort setzen wir uns rein und warten, bis wir dran kommen. Und wenn ich dann drinnen bei meiner Mutter bin, dann erst sagen wir ihr, dass ich gar nicht krank bin, sondern sie nur besuchen will. Da freut sie sich bestimmt!"

Beate lacht und auch ihre Mutter muss lachen. "Auf was für Ideen die Kinder kommen", sagt sie zu Miriams Vater. Der zuckt nur mit den Schultern und meint: "Ich finde es schön, wenn die Kinder auch denen eine Freude machen wollen, die an Weihnachten arbeiten müssen."

Dann setzen sie sich alle zusammen und während sie weiter fahren, erzählt Alexander, wie sie ihren Vater überrascht haben. Da lacht auch Miriams Vater. " Der muss ja gestaunt haben, als er euch an der Bushaltestelle gesehen hat!"

Gerade steigt eine ältere Frau in den Bus. Als sie den kleinen Tannenzweig mit der Kugel im Bus hängen sieht, sagt sie zu Alexanders Vater: "Na, da hat wohl jemand an sie gedacht, sie Armer." Alexanders Vater nickt. "Ich muss zwar heute arbeiten, aber meine Familie hat mich nicht vergessen! Sie haben mir Lebkuchen und Punsch und diesen kleinen Zweig mitgebracht!" "Ja,ja, mein Mann muss auch heute arbeiten, und damit er nicht so allein ist, besuche ich ihn", sagt die Frau. "Setzen sie sich doch zu meiner Familie, dann haben sie etwas Unterhaltung", schlägt Alexanders Vater vor. "Ja, gern", sagt die Frau und setzt sich neben Alexander. "Wie heißt du denn?" "Alexander", sagt Alexander. Dann fragt er neugierig: Was arbeitet denn ihr Mann? Ist er auch Busfahrer, wie mein Vati?" "Nein, er ist Nachtwächter. Er passt auf, dass keine Einbrecher in die Fabrik kommen" , erzählt die Frau. " Und was bringen sie ihm mit?" fragt jetzt auch Beate. "Einen heißen Tee und ein paar Plätzchen, die ich selber gebacken habe", antwortet die Frau. "Wollt ihr mal probieren?" Alexanders Mutter sagt: "Danke, aber die sind doch für ihren Mann?" Da schlägt Alexander vor: "Wir können ja tauschen: Lebkuchen gegen Plätzchen!" "Das ist eine gute Idee ", lacht die Frau. "Mein Mann isst so gerne Lebkuchen und ich habe heute ganz vergessen, welche zu kaufen."

Also tauschen sie Plätzchen gegen Lebkuchen und sogar Miriam und ihr Vater bekommen ein paar Plätzchen, bevor sie aussteigen. Ein paar Stationen weiter fährt auf einmal ein Feuerwehrauto an ihnen vorbei. Aufgeregt guckt Alexander hinaus. "Schau, die müssen an Weihnachten auch arbeiten. Der Papa von meinem Freund Robert ist bei der Feuerwehr. Der hat gesagt, an Weihnachten haben sie immer viel zu tun. Viele Menschen sind nicht vorsichtig mit den Kerzen und dann brennt der ganze Weihnachtsbaum und dann muss die Feuerwehr zum Löschen kommen." Dann fragt er seine Mutter: "Ob der Robert seinen Vater an Weihnachten auch besuchen kann, wenn er arbeitet?" "Ich weiß nicht", antwortet die Mutter, "vielleicht ist das zu gefährlich." "Hm" , sagt Alexander, "ich muss ihn unbedingt mal fragen." Wenig später steigt wieder eine Mutter mit zwei Kindern ein. Sie setzt sich zu Alexander und Beate. Sie haben eine große Tasche dabei, aus der eine Thermoskanne guckt und wenn man genauer hinsieht, glitzert auch ein Päckchen heraus. "Wo fahrt ihr denn hin", fragt Alexander neugierig, "besucht ihr auch jemanden?" Erstaunt guckt die Mutter herüber. Alexanders Mutter lächelt und sagt zu Alexander: " Sei nicht so neugierig!"

Aber Alexander lässt nicht locker. "Das ist nämlich mein Papa, der den Bus fährt und wir haben ihn besucht, weil heute Weihnachten ist!" sagt er stolz. "Das ist ja ein Zufall !" lacht die Mutter. "Wir sind auch gerade auf dem Weg, meinen Papa zu besuchen. Der ist bei der Polizei und muss heute auch arbeiten. Ich heiße Klaus und du?" "Alexander", sagt Alexander, "Was macht denn dein Papa bei der Polizei?" "Normalerweise Verbrecher jagen", meint Klaus , "aber heute ist er im Büro und da können wir ihn besuchen.. "Habt ihr auch Lebkuchen dabei?" fragt Beate. "Klar, Lebkuchen und Plätzchen und sogar ein Geschenk für Papa", sagt Christine, Klaus Schwester. "Da freut er sich aber bestimmt!" sagt Alexanders Mutter. Alexander ist begeistert. Alle, die an Weihnachten arbeiten müssen, bekommen Besuch und sind nicht allein.