Mütterlein, wenn es Dich nicht gäbe!

Eva Rechlin, 1928

Wir wären nie gewaschen,
und meistens nicht gekämmt,
die Strümpfe hätten Löcher
und schmutzig wär das Hemd.
Wir äßen Fisch mit Honig
und Blumenkohl mit Zimt,
wenn Du nicht täglich sorgest,
dass alles klappt und stimmt.
Wir hätten nasse Füße
und Zähne schwarz wie Ruß
und bis zu beiden Ohren
die Haut voll Pflaumenmus.
Wir könnten auch nicht schlafen
wenn Du nicht noch mal kämst
und uns, bevor wir träumen
in Deine Arme nähmst.
Und trotzdem! Sind wir alle
auch manchmal eine Last.
Was wärst Du ohne Kinder?
Sei froh, dass du uns hast!!!